
Mussja
von Pe
Jedes Kind weiß, dass es nur eine begrenzte Anzahl unterschiedlicher Gespräche auf der Welt gibt. Das erklärt, wieso etliche mehrfach, manche sogar täglich geführt werden.
Wenn ich Herrn Salonikis Schnellimbiss betrete, sagt er immer: "Na, wie geht's?"
Woraufhin ich: "Mussja. Und selbst?"
Statt einer Antwort stöhnt er, der Herr Saloniki, der eigentlich gar nicht Saloniki heißt, der Imbiss heißt so, aber weil ich mir seinen vokalstrotzenden Namen einfach nicht merken kann -- jedenfalls, wie er so stöhnt, der Herr Saloniki, wird mir bewusst: Dieser Mann hat's wirklich schwer. Wenn er fertig ist mit Stöhnen, winkt er ab, alles sinnlos, aber meine Bestellung nimmt er entgegen, man kennt sich, da tut man einander schon einmal einen Gefallen, auch wenn's gerade nicht so gut für einen läuft.
Wenn er also mit dem Stöhnen fertig ist, meine Beine sind vom langen Stehen schon ganz schwer, fragt er endlich: "Gyrosteller, wie immer?" Ich esse nie Gyros. Stattdessen verständigen wir uns darauf, dass ich ein Thunfischbaguette nehme. Ich nehme immer Thunfischbaguette.
Danach dauert es noch etwa sieben Minuten, bis das Baguette fertiggestellt ist, ich beobachte Herrn Saloniki beim Verdrießlichsein und verlasse das Lokal schließlich in der Sicherheit, dass die Weltordnung auch an diesem Tag Bestand haben wird. Irgendwann werde ich herausfinden, ob Herr Saloniki weiß, dass seine Baguettes nicht besonders lecker sind.
Dass ich einmal in der Woche bei meinen Eltern anrufe, ist auch so eins von den Dingen, die nicht ohne Gefährdung der Weltsicherheit geändert werden können.
Meistens geht der gestrenge Herr Papa ran. Er bellt den Namen in den Hörer, das tut er immer, das ist völlig unabhängig davon, wie er gerade gelaunt ist. Jahrelang habe ich versucht herauszufinden, woran ich seine Stimmung ablesen kann. Stimmlage. Lautstärke des Gebells. Anzahl der verschluckten Konsonanten. Vollkommen zwecklos. Er bellt also seinen Namen in den Hörer. Darauf ich: "Hallo, ich bin's." Sich so zu melden ist natürlich total bescheuert, das muss ich machen, wegen der Weltordnung. Er wird mich schon erkennen.
"Schatz, kennen wir jemanden, der Ich heißt?", trötet er dann.
Und während es mir noch warm das Tochterherz durchflutet, offenbar ist alles in bester Ordnung, beeilt sich die gestrenge Frau Mama, ans Telefon zu kommen. Sie übernimmt traditionell den Rest des Gesprächs.
"Na, wie geht's?", frage ich sie.
"Mussja. Und selbst?"
Wenn ich Herrn Salonikis Schnellimbiss betrete, sagt er immer: "Na, wie geht's?"
Woraufhin ich: "Mussja. Und selbst?"
Statt einer Antwort stöhnt er, der Herr Saloniki, der eigentlich gar nicht Saloniki heißt, der Imbiss heißt so, aber weil ich mir seinen vokalstrotzenden Namen einfach nicht merken kann -- jedenfalls, wie er so stöhnt, der Herr Saloniki, wird mir bewusst: Dieser Mann hat's wirklich schwer. Wenn er fertig ist mit Stöhnen, winkt er ab, alles sinnlos, aber meine Bestellung nimmt er entgegen, man kennt sich, da tut man einander schon einmal einen Gefallen, auch wenn's gerade nicht so gut für einen läuft.
Wenn er also mit dem Stöhnen fertig ist, meine Beine sind vom langen Stehen schon ganz schwer, fragt er endlich: "Gyrosteller, wie immer?" Ich esse nie Gyros. Stattdessen verständigen wir uns darauf, dass ich ein Thunfischbaguette nehme. Ich nehme immer Thunfischbaguette.
Danach dauert es noch etwa sieben Minuten, bis das Baguette fertiggestellt ist, ich beobachte Herrn Saloniki beim Verdrießlichsein und verlasse das Lokal schließlich in der Sicherheit, dass die Weltordnung auch an diesem Tag Bestand haben wird. Irgendwann werde ich herausfinden, ob Herr Saloniki weiß, dass seine Baguettes nicht besonders lecker sind.
Dass ich einmal in der Woche bei meinen Eltern anrufe, ist auch so eins von den Dingen, die nicht ohne Gefährdung der Weltsicherheit geändert werden können.
Meistens geht der gestrenge Herr Papa ran. Er bellt den Namen in den Hörer, das tut er immer, das ist völlig unabhängig davon, wie er gerade gelaunt ist. Jahrelang habe ich versucht herauszufinden, woran ich seine Stimmung ablesen kann. Stimmlage. Lautstärke des Gebells. Anzahl der verschluckten Konsonanten. Vollkommen zwecklos. Er bellt also seinen Namen in den Hörer. Darauf ich: "Hallo, ich bin's." Sich so zu melden ist natürlich total bescheuert, das muss ich machen, wegen der Weltordnung. Er wird mich schon erkennen.
"Schatz, kennen wir jemanden, der Ich heißt?", trötet er dann.
Und während es mir noch warm das Tochterherz durchflutet, offenbar ist alles in bester Ordnung, beeilt sich die gestrenge Frau Mama, ans Telefon zu kommen. Sie übernimmt traditionell den Rest des Gesprächs.
"Na, wie geht's?", frage ich sie.
"Mussja. Und selbst?"


Setza
am 22. Jun, 10:17
Welcher Satz ist nun der floskelhaft am ehesten zu erwartende? "He Pe. Willkommen im Club!" Oder?!
B)
Ich mag die nachgerade inhaltsleere Floskelei unter solchen gern, die den Inhalt hinter der inhaltsleere wegen der mittlerweile untereinander bekannten Codes treffsicher zu erahnen vermögen.
Der Dönertyp käm bei mir allerdings nie in die enger Wahl. "Ich muss schon sagen..."
am 22. Jun, 10:47
Ach herrje.