
Luca, bis zur bittersten Erkenntnis
von ally klein
Wenn ich mir Mittwochs schon etwas vornehme, dann ist es Bier trinken. Beide kamen wir früher als verabredet und seine rechte Hand hat uns das betörende Getränk für den Abend prädestiniert: Rosé sollte mir genauso wie Luca's Geruch zu Kopf steigen. Einige Meter über dem Main ließ ich meine nackten Füße baumeln. Irgendwo im Nirgendwo. Wir redeten und flirteten uns um Kopf und Kragen. Luca war schön. Braune Strähnen über funkelnden Augen. Kaum sichtbar die Sucht seiner Blicke. Kaum spürbar das Herantasten an den möglichen Ausgang.
Wir tranken eine Menge. Luca mochte mich. Luca mochte Dr. Dre und Tupac. Luca war wunderschön. Ich mochte Luca. Ich mochte seinen Pulli, den ich anhatte als es kalt wurde. Seine Schuhe auf meinen Füßen, die ständig aufgingen. Ich mochte, wie er sich vor mir niederkniete und mir die Schnürsenkel zuband. Ich mochte, wie er meine Hand nahm, ganz anonym unter vielen Menschen. Wie er mir in seinem Bett die Untertitel zu stummen Zeichentrickfilmen vorlas. Wie unsere Fingerkuppen aufeinander trafen und seine Hand irgendwo auf mir landete. Mein Gesicht in seine Brust drang. Sein Flüstern in mein Herz. Wie er seine Strähnen mit meinen Augen teilte. Seine Pupillen mein Tun und Denken fesselten. Wie mein dämliches Grinsen am Morgen danach nach ihm roch.
Eine Woche später - Lucas weitgeöffnete Pupillen in meinem Libido gespeichert. Spuren seiner Hände wie Netze über meine Haut verteilt. Er fuhr weit weg für Wochen. Erinnerungen hielten über Wasser. Unter dessen Oberfläche: Modest Mouse - "Make Everyone Happy / Mechanical Birds". Nachts um halb zwei unter dem Sternenhimmel denke ich nicht nach. Nur zähneknirschend zusammenbrechen unter dem kolossalen Sound der Dissonanz. Schmeiße mich um. Dehydriere an Machtlosigkeit.
“And I said you shouldn't make facts out of opinions”.
Ich kenne nichts anderes als dieses musikalische Blut in meinen Ohren, das mein Sehen vorantreibt. Prügelt mich zur Erschöpfung. Augenblicke des höchsten Glücks und des abartigsten Schmerzes. Die des tiefsten Selbsthasses und des zerfließenden Mitleids für die Mitmenschen. Liebe, überhäuft mich mit innigster Liebe, zwingt mich in die Knie und heult in mir wie die Düsterheit einer einsamen, kalten Nacht. Ich bin ein Mörder. Ein stumpfes Messer, aber ein leidenschaftlicher Mörder. Sehne mich nach dieser Offenbarung, krieche auf dem Boden und bettle nach mehr…
Ich kenne diesen Moment nicht. Aber Luca wird ihn niemals kennen lernen. Luca weiß nicht, wie es ist zu morden. Luca wird es nie verstehen. Keine Minute wird er unter dem Druck der Überwältigung aushalten. Luca ist in meinem Blut. Aber sie, sie ist meine Pumpe. Ihr gehören mein Seelenkoffer und meine Lungen. Und wenn ich jemals aufbreche, wird ihr meine Liebe gehören. Ihr und fremden Pupillen, die sie bis zum tiefsten Schwarz aushöhlen wird. Weil sie kann.
Luca, bis zur bittersten Erkenntnis: “I’m not sure who I am but I know I am“…
Wir tranken eine Menge. Luca mochte mich. Luca mochte Dr. Dre und Tupac. Luca war wunderschön. Ich mochte Luca. Ich mochte seinen Pulli, den ich anhatte als es kalt wurde. Seine Schuhe auf meinen Füßen, die ständig aufgingen. Ich mochte, wie er sich vor mir niederkniete und mir die Schnürsenkel zuband. Ich mochte, wie er meine Hand nahm, ganz anonym unter vielen Menschen. Wie er mir in seinem Bett die Untertitel zu stummen Zeichentrickfilmen vorlas. Wie unsere Fingerkuppen aufeinander trafen und seine Hand irgendwo auf mir landete. Mein Gesicht in seine Brust drang. Sein Flüstern in mein Herz. Wie er seine Strähnen mit meinen Augen teilte. Seine Pupillen mein Tun und Denken fesselten. Wie mein dämliches Grinsen am Morgen danach nach ihm roch.
Eine Woche später - Lucas weitgeöffnete Pupillen in meinem Libido gespeichert. Spuren seiner Hände wie Netze über meine Haut verteilt. Er fuhr weit weg für Wochen. Erinnerungen hielten über Wasser. Unter dessen Oberfläche: Modest Mouse - "Make Everyone Happy / Mechanical Birds". Nachts um halb zwei unter dem Sternenhimmel denke ich nicht nach. Nur zähneknirschend zusammenbrechen unter dem kolossalen Sound der Dissonanz. Schmeiße mich um. Dehydriere an Machtlosigkeit.
“And I said you shouldn't make facts out of opinions”.
Ich kenne nichts anderes als dieses musikalische Blut in meinen Ohren, das mein Sehen vorantreibt. Prügelt mich zur Erschöpfung. Augenblicke des höchsten Glücks und des abartigsten Schmerzes. Die des tiefsten Selbsthasses und des zerfließenden Mitleids für die Mitmenschen. Liebe, überhäuft mich mit innigster Liebe, zwingt mich in die Knie und heult in mir wie die Düsterheit einer einsamen, kalten Nacht. Ich bin ein Mörder. Ein stumpfes Messer, aber ein leidenschaftlicher Mörder. Sehne mich nach dieser Offenbarung, krieche auf dem Boden und bettle nach mehr…
Ich kenne diesen Moment nicht. Aber Luca wird ihn niemals kennen lernen. Luca weiß nicht, wie es ist zu morden. Luca wird es nie verstehen. Keine Minute wird er unter dem Druck der Überwältigung aushalten. Luca ist in meinem Blut. Aber sie, sie ist meine Pumpe. Ihr gehören mein Seelenkoffer und meine Lungen. Und wenn ich jemals aufbreche, wird ihr meine Liebe gehören. Ihr und fremden Pupillen, die sie bis zum tiefsten Schwarz aushöhlen wird. Weil sie kann.
Luca, bis zur bittersten Erkenntnis: “I’m not sure who I am but I know I am“…


Ole
am 2. Jun, 11:55
Feiner Text! Wie zu erwarten war, auch wenn man ja lange hat warten müssen, bis Dir diese wohlverdiente Ehre zuteil wurde. :)