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Sammelsurium

von Paula
Dicke Bündel alter Briefe, das Papier vergilbt – schmachtende Ergüsse jugendlicher Verliebtheit; der Zirkelkasten aus der Grundstufe, den der Vater schon von seinem Vater erbte – und mit dessen Inhalt ich nie umgehen lernte; der alte Steuerbescheid, den ich dem Berater bei Anforderung als verloren melden musste – zu spät; zwei nicht mehr zuordenbare Männerhemden – vermisst die irgend jemand?; das Hochzeitskleid der Mutter, aufgehoben aus sentimentalen Gründen – ein Traum in Mini aus Spitze und Satin; Disketten mit obsoleten Daten – die in keinen Computer mehr passen; Windelunterlagen für Babys von Freunden - die Kurzen drücken inzwischen die Schulbank; kleine Reisespiele - als Kind auf langen Autofahrten zum Urlaubsort wieder und wieder geknobelt; peinliche Fehlkäufe – nach Hause getragen und sofort versteckt; die 36 Jahre alte Puppe aus Plastik mit Klimperaugen – und später selbst gehäkeltem Jäckchen in Neongrün; ungetragene T-Shirts - die Freundinnen laut kürzlich durchlaufener Farbberatung stehen würden; zig Stifte - ungeschrieben; ein abgegriffenes Lesezeichen – Aufschrift: „Behind every successful women is a man who tried to stop her!“, verloren geglaubte Fotos – Bergung eines Schatzes; erotisches Spielzeug – Erinnerung an fast vergessene, aufregende Nächte; das best of selbst kreierter Kritzeleien - mit guten Wünschen der Kita-Tante; ein Fummel – mich einst zum Glamourgirl aufsteigen lassend; aussortierte Bücher – die den Weg zum Antiquar nie fanden; und hundert längst vergessene Kleinigkeiten.

Fundstücke, die eine banale Aktion zu Tage förderte – der neue Schrank musste eingeräumt werden.

Was schnell erledigt werden sollte, wurde zum Tagwerk.
In Bruchstücken passiert das eigene Leben Revue. Einige davon zu wichtig, um sie zu ignorieren, einfach auszusortieren.




Dieser Artikel ist bereits im Weblog der Autorin erschienen.
Unbewusst trägt jeder im Laufe der Jahre die kuriosesten Memorabilien zusammen. In erzwungenen Situationen ins Bewusstsein gerückt, offenbart sich durch sie das eigene Leben auf denkbar merkwürdige Weise.
lebt seit 1986 in Berlin. Bloggen ist für sie sprachliches und fotografisches Experimentierfeld, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Seit kurzem schreibt sie auch für den Hautptstadtblog, hauptsächlich über Kunst.
mindestens haltbar 05/2006
Jahrgang 02
Ausgabe 10
ISSN 1816-8159
Autor: Paula
Titel: Sammelsurium
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am 20. Jun, 10:26

Richtig aufräumen macht mich sentimental.

Kramkisten voller Erinnerungen, bunt gemischt, die einen blitzartig überfallen, wenn man den Deckel hebt.

Manchmal auch im "Richtigen Leben".

Das Interessante dabei finde ich die Ambivalenz aus Nachvollziehbarkeit und Distanz, die ich zu dem Gelebten habe.