
Jeder tut es mit Miss München
Sie müssen wissen: Wenn sie dort eine halbe Stunde steht, wird sie von mindestens fünf jungen Männern angesprochen. Mindestens drei davon hat sie noch nie zuvor gesehen. Sie ist jetzt die Protagonistin, doch eigentlich bedeutet es nichts, solange er sie nicht entdeckt. Als er dann endlich auf sie zukommt, tut sie, als stünde sie erst seit einer knappen Minute hier. Als hätte sie gerade einen Drink bestellt. Aber er hat sie beobachtet und er findet ihren Minderwertigkeitskomplex abstoßend.
Sie müssen wissen: Wenn er sie ansieht, sieht er ihren Wahnsinn und es fällt ihm im Grunde genommen leicht, sich von ihr fernzuhalten. Wenn er sie da so stehen sieht, kann er durch sie hindurch sehen, ihre ohrenbetäubende Schönheit ignorieren und mit ihr spielen. Sie ob ihrer Neurosen heimlich verlachen. Doch wenn er narkotisiert gegen zwei Uhr morgens auf sie zugeht, empfindet er sich filmreif und heroisch. In einem Jahr wird er nur noch sie sehen, egal wohin er geht.
Sie müssen wissen: Wenn sie ihn so ansieht und seine betrunkene Überheblichkeit ihr alles, was sie je geplant hat, aus den Angeln hebt, wenn kein Stein ihres Egos mehr auf dem Anderen bleibt und sie nur an ein Eintauchen in eine schwarze Nacht denken kann wenn er da ist, dann ist sie eigentlich ganz glücklich. Die Vorstellung, er könnte ihr gehören, macht ihn klein und sie kann dann seinen Schweiß riechen. Die Vorstellung, er würde sie ficken, lässt ihn alt und ungeschickt erscheinen. In seinem Desinteresse liegt der Zauber. Und in seinem Verlust. Sie merkt ihm an, wie er langsam dahin schwindet, weil er Martha nicht mehr hat. Und sie möchte nichts mehr, als diejenige sein, die ihn dabehält, die ihn festhält. Und wenn er dann hier bleibt, kann sie endlich verschwinden. Wie schön und traurig das in ihren leicht abstehenden Ohren klingt.
Sie müssen wissen: Wenn sie da so steht, erscheint es ihr, als würde der Abend ewig dauern. Das Schwarz, das sie in den letzten Wochen kennen gelernt hat, wird sie derart langsam überziehen, dass es Tage dauern kann, bis sie ins Bett fällt. Er nimmt ihre Hand und obwohl er lieber ins Auto steigen will, um die dreitausend Kilometer zu Martha zurückzulegen, ist er überwiegend damit zufrieden, ihr das Herz zu brechen.
Doch Sie müssen wissen: Ihr schwarzes, öliges Verlangen hat ihn längst selbst vergiftet und im Grunde genommen hat er sogar darum gebeten.




Rationalstürmer
am 2. Mrz, 00:02
this is old Tom Frost,
And I am calling long distance,
don't worry 'bout the cost.
am 2. Mrz, 10:40
Das nenn ich mal ein "Faust-aufs-Auge" Zitat.
Ich mach gleich mal Eis drauf!