
Alles ist anders
Es ist merkwürdig. Ich fühle mich dort mehr zu Hause als in meiner eigenen Wohnung. Oft fahre ich ein oder zwei Stunden, bevor ich eigentlich einchecken müsste, mit dem Bus vom Alexanderplatz los: an der Charité vorbei, am Gefängnis Moabit vorbei, vorbei am Friedhof Plötzensee, bis ich dort ankomme, von wo auch die anderen weg möchten.
Und dann das Reisen. Die leichte Beunruhigung zunächst, die das Wissen gebiert, dass du von nun an nichts mehr tun kannst. Jedenfalls, was das Wesentliche angeht. Du weißt: du kannst nichts daran ändern, sollte das kleine, aber wichtige Schräubchen aus seiner Schweißnaht an der Turbine unterhalb der Tragfläche platzen. Und den Piloten hörst du zwar ab und zu, schüttelst ihm vielleicht vor und nach der Reise am Eingang oder Ausgang – das ist ja öfters dasselbe – kurz die Hand. Aber eigentlich kannst du nur sitzen und schauen. Ein gutes Buch lesen vielleicht oder dich mit der Nachbarin unterhalten. Am liebsten sitze ich am Fensterplatz.
Dann das Schweben. Der Sinn für Entfernungen geht dir abhanden. Und die andere Zeit, in der du vielleicht landen wirst. Und die Geschwindigkeit, mit der das alles geschieht, die du nur ahnen kannst, wenn aus einer geraden Bahn eine Kurve wird und dich eine große Kraft in den Sitz hineindrückt. Oder wenn das Flugzeug absackt. Aber wenn du ankommst, deinen Koffer vom rotierenden Laufband genommen hast, durch die Drehtüre hinaus ins Freie gehst: alles ist anders. Und du vergisst schnell, wo du ein paar Stunden vorher noch gewesen bist.
Morgen werde ich wieder fliegen, Easyjet, und K. treffen. Vor kurzem ist sie Mutter geworden.
Dieser Artikel ist bereits im Weblog des Autors erschienen.


undundund
am 1. Feb, 21:50
liebe mindestenshaltbar-redaktion, und vielen dank noch einmal für die ehre, hier publizieren zu dürfen! ein frage hätte ich da allerdings. und zwar: es mag zwar etwas kleinkariert klingen und vielleicht ist auch der kalte ostwind in den berliner alleen ein bisschen an der folgenden moserei schuld, aber müssen diese werbe-links innerhalb der veröffentlichten texte wirklich sein? also, sooo große lust für die berliner-flughäfen oder easyjet werbung zu machen hatte ich eigentlich nicht.
das, was m.e. den großen spaß an der bloggerei ausmacht, ist doch - grob gesagt - gerade die tatsache, dass die meisten blogger mit ihren einträgen keinerlei finanzielle zwecke verfolgen, sondern vielmehr sich den spaß eines "interesselosen wohlgefallens" gönnen, wie es so ein schlauer kopf mal formuliert hat. also: einträge zweckfrei und nur aus spaß an der freude ins netz gestellt. ohne werbung.
ehrlich gesagt, ich habe keine ahnung, wieviel man mit diesen sponsoren-links verdient und ob es sich auf lange sicht hinaus wirklich rentiert, aber es ist schon ein wenig komisch, wenn man einen text schreibt und dann werden links gesetzt, auf die man keinen einfluß hat. dann könnte es ja auch passieren, dass z.b. in diesem text "schräubchen" auf eine doofe dübelfabrik verweist, "buch" auf diese eine große internetz-buchandlung oder "friedhof" auf ... nee, will ich mir gar nicht ausdenken.
aber da habe ich letztens schon mal drüber nachdenken müssen. und zwar bei der nuf, da hat mal eine kommentiert, die für eine bekannte frauenzeitschrift ein "blog" betreibt. da poppten in den kommentaren google-anzeigen auf, was ich ganz schön naja finde. wie hätte man sich zum beispiel einen kritischen beitrag über ein produkt/thema zu denken, wenn dieser beitrag dann genau auf das produkt verweist, welches man eigentlich ziemlich bescheuert findet und im leben nicht verlinken würde?
na, nur so ein paar gedanken halt. winterzeit ist grübelzeit.
am 1. Feb, 23:56
die links sind natürlich keine sponsoren-links und dienen auch keinen kommerziellen zwecken. das, was internet-publikationen ausmacht, ist doch gerade die möglichkeit, nicht nur einfach einen linearen text zu haben, sondern eine vielzahl an querverweisen, die zusätzliche informationen bieten. berliner flughäfen sind bei dir nur aus dem grund verlinkt, dass du sie erwähnt hast, genauso wie easyjet. wer mit dem begriff nicht viel anfangen kann, klickt einfach drauf und weiß mehr, wobei ich nicht annehme, dass dieser nebenbei getätigte mausklick die wahl eines künftigen urlaubsziels beeinflussen wird, was auch auf keinen fall sinn und zweck eines links hier ist. es geht schlicht um information und darum, die möglichkeiten, die ein digitales magazin bietet, zu nutzen, nicht um werbung.
solltest du dich mit den links nach wie vor nicht anfreunden können, ist es natürlich auch kein problem, sie zu entfernen.
am 2. Feb, 01:11
ja, wenn das so ist, dann entschuldige ich mich mal für meine nörgelei ;)
und du hast selbstverständlich recht: das interessante an der ganzen geschichte hier ist natürlich die vernetzung. aber es ist doch auch immer die frage, inwiefern man technische möglichkeiten sinnvoll einsetzt. zum einen bezweifel ich ein bisschen, dass eure leser nichts mit den begriffen "berliner flughäfen" oder "easyjet" (bzw. "haartransplantationen", "fettabsaugen", "zähnebleichen" drüben bei herrn bunbury) anfangen können, zum anderen glaube ich, dass die leser eures schönen magazins doch hauptsächlich wegen der geschichten bzw. diskussionen hierherkommen.
ogottogott. ich entwickle mich zum querulanten. jemineh.
;)
am 2. Feb, 08:59
ja, da hast du natürlich auch wieder recht... werde versuchen, mich beim nächsten mal an weniger anstößigen links zu halten. danke für den hinweis! ;)
dürfen die links in deinem artikel bleiben?