
In der Fremde
von Horazio
Horazio Navarro nennen mich meine mexikanischen Freunde zischend und R-rollend. Das sind allerdings nur wenige. Ich bin ein Kampfassimilator; weiche meinen gestrandeten Landsleuten gezielt aus und verbringe meine Freizeit lieber mit den Endemien meines Wahldomizils: Den Schweizern. Die Schweizer sind lustige, spontane, offene und überaus unverklemmte Leutchen. Der Schweizer ist anderen Nationen gegenüber äußerst wohl gesinnt und in der Umgangssprache haben sich so liebliche Ausdrucksformen für die fremden Mitbürger wie Tschingg, Spaniögel, Tschäps oder gar Schiissschwab sehr einfach etabliert.
Mir als Südamerikaner gefallen natürlich vor allem die heißblütigen Volksfeste der Schweizer. Da wird dann mal so richtig ohne Hemmungen und voller Lebensenergie auf der Festbank gesessen und gehockt. Manchmal übertreibt es so ein Wurschtrugeli-Latino und juchzt ungezwungen in die Menge. Zum Glück sind dann die Hüter des Gesetztes stets in der Nähe, greifen gezielt ein und können so ein Abdriften des Festaktes ins totale Chaos verhindern.
Ein besonderer Anlass ist der erste August. Dann gehen die Schweizer in die Drogerie und kaufen Feuerwerk, Lampions und Fähnchen. Im Durchschnitt geben Sie dafür zwei Franken pro Person aus. Ist das nicht reizend? Diese überbordende Lebenslust gepaart mit durchwegs sympathischer Bescheidenheit. Wichtig aber auch wieder am Nationalfeiertag der freundliche Einbezug der Gastfamilien ins Festgeschehen. Bereits Wochen vor dem Independence Day beginnen die eingewanderten Ex-Jugoslawen (eben noch im Balkan, jetzt schon auf'm Balkon) damit, die Vorfreude der Schweizer zu kitzeln, indem Sie diese wuseligen Kleinst-Raketchen in die Luft lassen was das Zeug hält (ssssssst-peng). DAS ist Integration. Im mittigsten Mitteleuropa weiß man auch ungemein taktvoll mit der Privatsphäre seiner Mitmenschen umzugehen. Man begnügt sich schon damit, den Nachbarn auf die Nichteinhaltung des Waschplans aufmerksam zu machen oder ab und zu mal das ungenau parkierte Fahrrad umzuwerfen.
Der Schweizer ist überaus gesellig, hilfsbereit, geduldig und freundlich. Es ist so Sitte in öffentlichen Verkehrsmitteln, durch geschickte Platzierung einer Tragtasche stets einen Sitz für bedürftige Nachzügler freizuhalten. Während Aufzugsfahrten kommt es des Öfteren vor, dass einem ein aufgeschlossener Mitreisender "Adieu", nicht selten gar "Grüezi" zuflüstert. An Ampeln wird Grünlicht-verpassenden Lenkern schon nach wenigen Tausendstelsekunden freundlich zugehupt und am Skilift macht man sich durch behutsames Skikanten-Tütschen auf eine bedrohlich wachsende Lücke im Vorfeld aufmerksam.
In diesem Land möchte ich sterben (*Sagen sich übrigens auch mehr als drei Selbstmörder pro Tag).
Su Horazio
Mir als Südamerikaner gefallen natürlich vor allem die heißblütigen Volksfeste der Schweizer. Da wird dann mal so richtig ohne Hemmungen und voller Lebensenergie auf der Festbank gesessen und gehockt. Manchmal übertreibt es so ein Wurschtrugeli-Latino und juchzt ungezwungen in die Menge. Zum Glück sind dann die Hüter des Gesetztes stets in der Nähe, greifen gezielt ein und können so ein Abdriften des Festaktes ins totale Chaos verhindern.
Ein besonderer Anlass ist der erste August. Dann gehen die Schweizer in die Drogerie und kaufen Feuerwerk, Lampions und Fähnchen. Im Durchschnitt geben Sie dafür zwei Franken pro Person aus. Ist das nicht reizend? Diese überbordende Lebenslust gepaart mit durchwegs sympathischer Bescheidenheit. Wichtig aber auch wieder am Nationalfeiertag der freundliche Einbezug der Gastfamilien ins Festgeschehen. Bereits Wochen vor dem Independence Day beginnen die eingewanderten Ex-Jugoslawen (eben noch im Balkan, jetzt schon auf'm Balkon) damit, die Vorfreude der Schweizer zu kitzeln, indem Sie diese wuseligen Kleinst-Raketchen in die Luft lassen was das Zeug hält (ssssssst-peng). DAS ist Integration. Im mittigsten Mitteleuropa weiß man auch ungemein taktvoll mit der Privatsphäre seiner Mitmenschen umzugehen. Man begnügt sich schon damit, den Nachbarn auf die Nichteinhaltung des Waschplans aufmerksam zu machen oder ab und zu mal das ungenau parkierte Fahrrad umzuwerfen.
Der Schweizer ist überaus gesellig, hilfsbereit, geduldig und freundlich. Es ist so Sitte in öffentlichen Verkehrsmitteln, durch geschickte Platzierung einer Tragtasche stets einen Sitz für bedürftige Nachzügler freizuhalten. Während Aufzugsfahrten kommt es des Öfteren vor, dass einem ein aufgeschlossener Mitreisender "Adieu", nicht selten gar "Grüezi" zuflüstert. An Ampeln wird Grünlicht-verpassenden Lenkern schon nach wenigen Tausendstelsekunden freundlich zugehupt und am Skilift macht man sich durch behutsames Skikanten-Tütschen auf eine bedrohlich wachsende Lücke im Vorfeld aufmerksam.
In diesem Land möchte ich sterben (*Sagen sich übrigens auch mehr als drei Selbstmörder pro Tag).
Su Horazio
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