
Ein Weckruf
von Bunbury
Sie gefielen mir schon sehr gut, die Brüste von Pamela Anderson. Genau genommen nicht nur die Brüste. Allein wie sie im Vorspann in ihrem roten Badeanzug den Strand am Wasser entlanglief, war ein Ereignis. Dort, im Lala – Land, wo der Himmel immer blau war und die Sonne immerzu strahlte, und eigentlich alles perfekt schien, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, und dass es gerade diese Ausnahmen sein würden, die Pam im Laufe der jeweiligen Folge aus immer knapp unterhalb der Brust verebbenden Meeresfluten an den Strand würde ziehen müssen, das hatte man selbstverständlich auch bald raus. Die schlichte Moral dieser Fernsehserie stellte an den Zuschauer in dieser Hinsicht auch keine größeren Herausforderungen.
So war es jedenfalls damals, als diese Folgen doch tatsächlich meine Nachmittage bereicherten. Damals, als ich noch sehr klein war, und das ideale Umfeld eines wunderbaren Gartens samt verlockendem Pool eigentlich näher liegende Optionen hätten eröffnen müssen, um jene Nachmittage zu verbringen, als ausgerechnet fernzusehen. Anstatt hübschen Besuch zum Baden einzuladen, hockte ich also stumpf vor dem Fernseher, um, wie man erst viel später erfuhr, dem in jeder Hinsicht Scheinbaren zu harren, aber dafür in Großaufnahme. Mehr noch, man versteifte sich geradezu auf eine Vorstellung, ein Bild, das doch draußen vor der Tür nur eher schwer zu finden war. Aber was hätte das Auffinden auch schon genützt, denn Eines war ja auch überdeutlich: Pam rettete zwar Hinz und Kunz vor dem Ertrinken, aber das Eis danach, das teilte sie mit breitschultrigen Waschbrettbauch - Inhabern.
Eine wirklich lange Zeit ist seit diesen Nachmittagen vergangen, und das Verlangen, nicht in die Rolle des ungeküsst Hilfsbedürftigen zu fallen, hat einen unüberschaubaren Markt geschaffen. Insofern möchte ich jetzt und hier die Gelegenheit nutzen, eine Fahne zu hissen, eine Lanze zu brechen für einen natürlichen Umgang mit der eigenen Schönheit. Damit meine ich nicht die vielen Blender, diejenigen, die sich verschulden, um einen dicken Schuh zu machen oder nach der Arbeit einen Anzug anziehen, um auf eine After – Work Party zu gehen. Nein, das Spielen einer Rolle ist ein sehr alter, aber äußerst witzig geschnittener Hut, den es immer geben wird. Ein Gemeinplatz, der nicht weiter vertieft werden muss.
Mir liegt eine andere Entwicklung am Herzen, die doch von vielen nicht wirklich wahrgenommen oder, falls doch, oftmals falsch verstanden wird. Die Selbstpräsentation belässt es nämlich schon lange nicht mehr bei der Schaffung oder Aufrechterhaltung eines äußeren Scheins. Nein, sie hinterlässt mittlerweile vielmehr tiefe Einschnitte und nimmt Einzug in das Innere der Menschen. Die anfänglichen lauten Aufschreie, die den Begin der plastischen Wohlfühl - Chirurgie begleiteten, sind längst zu einem leisen, aber kontinuierlichen Wimmern verkümmert. Pamela Anderson personifiziert dabei den allgemein akzeptierten Anfang. Sie wurde belächelt, verspottet und schaffte es dennoch in irgendeiner Art zur Ikone der Neunziger Jahre. Akzeptiert wurde von nun an immer mehr, was anfangs missbilligtes Zeichen einer ungeheuerlichen Oberflächlichkeit war. Die Angebote des so genannten Body – Modelling werden sogar gegenwärtig zunehmend größer und bezahlbarer: Haartransplantationen, Fettabsaugen, Zähnebleichen, Waschbrettbäuche. Dauermakeup. Nichts ist undenkbar, alles machbar und wird gemacht werden - früher oder später. „Mehr Erfolg durch ein frisches und erholtes Aussehen“, wie es in einem Werbeslogan heißt.
Sie, liebe Leser, sitzen jetzt sicher in ihren Büros vor den Rechnern, nippen an ihren Kaffeetassen, blicken kopfschüttelnd aus dem Fenster und mögen sich vielleicht ebenfalls fragen, wo das alles noch hinführen soll. Wie sollten Sie reagieren, wenn in Ihrem Bekanntenkreis Überlegungen angestellt werden, eine Reise zu unternehmen, um sich im Ausland bei einem sehr seriösen Arzt zu einem sehr vernünftigen Preis Brusterweiterungen, ein Paar neue Ohren oder was auch immer zu gönnen? - Schreien Sie auf, artikulieren Sie Ihre Empörung, schreien Sie: „Nein! Bitte nehmt mich mit!“ - Ja, fahren Sie mit. Sparen Sie sich die allgemeinen Entrüstungsarien, sperren Sie sich nicht, ignorieren Sie die Wimmerei. Hier schließt sich nun der Kreis, hier möchte ich die obig erwähnte Fahne hissen, für mehr Natürlichkeit im Umgang mit der Künstlichkeit nämlich.
Seien Sie doch bitteschön aufgeschlossen und tolerant. Stellen Sie sich dieser hervorragenden Entwicklung nicht in den Weg! Skepsis ist hier wirklich völlig unangebracht, war es denn nicht schon immer so? Rasieren Sie sich die Achselhaare, haben Sie faulige Zähne durch Kronen ersetzt, die Haare gefärbt? Orchideen oder Gänseblümchen? Eben.
Lediglich die Grenzen verschieben sich aufgrund der weiterentwickelten medizinischen und technischen Möglichkeiten. Unsere Welt kann schöner werden, und jeder von Ihnen sollte seinen Beitrag leisten. Künstlichkeit zur Verwirklichung von Schönheit, Künstlichkeit in ästhetischer Hinsicht, sie ist ein Gewinn. A Rebours! Alle Menschen sollten das Recht haben, schön zu sein. Ein Recht auf Schönheit, genauso wie ein Recht auf Bildung. Schönheit für alle. Künstliche oder natürliche Schönheit, was spielt das am Ende auch schon für eine Rolle. Die Möglichkeiten sind da. Spritzen Sie sich ruhig Botox in die Stirn, wenn Sie sich vor ihren Falten gruseln, wer mag es Ihnen verdenken. In geringen Dosen ist es völlig ungefährlich. Endlich hat Nervengas eine vernünftige Verwendungsform gefunden, Forschung zahlt sich aus. Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, und das ist auch gut so. Erkennen Sie die Möglichkeiten und nutzen Sie sie. Nehmen Sie sich die Freiheit, Sie dürfen, aber Sie müssen nicht mehr so bleiben, wie sie sind. Sie haben die freie Wahl, doch überlegen Sie gut. Wollen Sie wirklich viel Geld für ein Auto ausgeben? Warum? Ihr Auto steht im Parkhaus, und Sie sitzen im Restaurant, da hat doch keiner was davon. Einen neuer, viel ästhetischerer Kopf hingegen würde Ihnen doch bestimmt viel mehr Freude bereiten - und den anderen Gästen sicherlich auch - zumindest sehr viel mehr, als Ihr Auto.
Wie dem auch sei, es ist selbstverständlich ganz allein ihre Entscheidung. Aber egal, wie Sie sich entscheiden, sehen Sie gut dabei aus. Beweisen Sie Stil und halten Sie insofern auch Maß. Schießen Sie nicht über das Ziel hinaus, zuviel des Guten kann auch einen Schritt zurück bedeuten, und alles war umsonst, wenn nicht sogar noch schlimmer. Lassen Sie sich Ihre Haut nicht zu weit über die Ohren ziehen. Auch einige Falten können durchaus attraktiv wirken. Setzen Sie sich eine möglichst natürliche Wirkung zum Ziel. Und jammern Sie nicht, wenn das Ergebnis nicht ihren Wünschen entspricht, die Brust leckt, oder das Sixpack auf die Leber drückt. Tragen Sie es mit Fassung, regen Sie sich nicht auf über den kleinen Fauxpas.
Sollte im Falle eines Falles die unwahrscheinliche Folge eines missglückten Eingriffs eingetreten sein, dann bleiben Sie bitte zu Hause.
„Die erste Pflicht im Leben ist, so künstlich wie möglich zu sein. Die zweite Pflicht hat bisher noch niemand entdeckt.“, wie Oscar Wilde bereits 1894 so vortrefflich bemerkte. Tun Sie uns allen einen Gefallen und halten Sie sich daran.
Wachen Sie auf!
So war es jedenfalls damals, als diese Folgen doch tatsächlich meine Nachmittage bereicherten. Damals, als ich noch sehr klein war, und das ideale Umfeld eines wunderbaren Gartens samt verlockendem Pool eigentlich näher liegende Optionen hätten eröffnen müssen, um jene Nachmittage zu verbringen, als ausgerechnet fernzusehen. Anstatt hübschen Besuch zum Baden einzuladen, hockte ich also stumpf vor dem Fernseher, um, wie man erst viel später erfuhr, dem in jeder Hinsicht Scheinbaren zu harren, aber dafür in Großaufnahme. Mehr noch, man versteifte sich geradezu auf eine Vorstellung, ein Bild, das doch draußen vor der Tür nur eher schwer zu finden war. Aber was hätte das Auffinden auch schon genützt, denn Eines war ja auch überdeutlich: Pam rettete zwar Hinz und Kunz vor dem Ertrinken, aber das Eis danach, das teilte sie mit breitschultrigen Waschbrettbauch - Inhabern.
Eine wirklich lange Zeit ist seit diesen Nachmittagen vergangen, und das Verlangen, nicht in die Rolle des ungeküsst Hilfsbedürftigen zu fallen, hat einen unüberschaubaren Markt geschaffen. Insofern möchte ich jetzt und hier die Gelegenheit nutzen, eine Fahne zu hissen, eine Lanze zu brechen für einen natürlichen Umgang mit der eigenen Schönheit. Damit meine ich nicht die vielen Blender, diejenigen, die sich verschulden, um einen dicken Schuh zu machen oder nach der Arbeit einen Anzug anziehen, um auf eine After – Work Party zu gehen. Nein, das Spielen einer Rolle ist ein sehr alter, aber äußerst witzig geschnittener Hut, den es immer geben wird. Ein Gemeinplatz, der nicht weiter vertieft werden muss.
Mir liegt eine andere Entwicklung am Herzen, die doch von vielen nicht wirklich wahrgenommen oder, falls doch, oftmals falsch verstanden wird. Die Selbstpräsentation belässt es nämlich schon lange nicht mehr bei der Schaffung oder Aufrechterhaltung eines äußeren Scheins. Nein, sie hinterlässt mittlerweile vielmehr tiefe Einschnitte und nimmt Einzug in das Innere der Menschen. Die anfänglichen lauten Aufschreie, die den Begin der plastischen Wohlfühl - Chirurgie begleiteten, sind längst zu einem leisen, aber kontinuierlichen Wimmern verkümmert. Pamela Anderson personifiziert dabei den allgemein akzeptierten Anfang. Sie wurde belächelt, verspottet und schaffte es dennoch in irgendeiner Art zur Ikone der Neunziger Jahre. Akzeptiert wurde von nun an immer mehr, was anfangs missbilligtes Zeichen einer ungeheuerlichen Oberflächlichkeit war. Die Angebote des so genannten Body – Modelling werden sogar gegenwärtig zunehmend größer und bezahlbarer: Haartransplantationen, Fettabsaugen, Zähnebleichen, Waschbrettbäuche. Dauermakeup. Nichts ist undenkbar, alles machbar und wird gemacht werden - früher oder später. „Mehr Erfolg durch ein frisches und erholtes Aussehen“, wie es in einem Werbeslogan heißt.
Sie, liebe Leser, sitzen jetzt sicher in ihren Büros vor den Rechnern, nippen an ihren Kaffeetassen, blicken kopfschüttelnd aus dem Fenster und mögen sich vielleicht ebenfalls fragen, wo das alles noch hinführen soll. Wie sollten Sie reagieren, wenn in Ihrem Bekanntenkreis Überlegungen angestellt werden, eine Reise zu unternehmen, um sich im Ausland bei einem sehr seriösen Arzt zu einem sehr vernünftigen Preis Brusterweiterungen, ein Paar neue Ohren oder was auch immer zu gönnen? - Schreien Sie auf, artikulieren Sie Ihre Empörung, schreien Sie: „Nein! Bitte nehmt mich mit!“ - Ja, fahren Sie mit. Sparen Sie sich die allgemeinen Entrüstungsarien, sperren Sie sich nicht, ignorieren Sie die Wimmerei. Hier schließt sich nun der Kreis, hier möchte ich die obig erwähnte Fahne hissen, für mehr Natürlichkeit im Umgang mit der Künstlichkeit nämlich.
Seien Sie doch bitteschön aufgeschlossen und tolerant. Stellen Sie sich dieser hervorragenden Entwicklung nicht in den Weg! Skepsis ist hier wirklich völlig unangebracht, war es denn nicht schon immer so? Rasieren Sie sich die Achselhaare, haben Sie faulige Zähne durch Kronen ersetzt, die Haare gefärbt? Orchideen oder Gänseblümchen? Eben.
Lediglich die Grenzen verschieben sich aufgrund der weiterentwickelten medizinischen und technischen Möglichkeiten. Unsere Welt kann schöner werden, und jeder von Ihnen sollte seinen Beitrag leisten. Künstlichkeit zur Verwirklichung von Schönheit, Künstlichkeit in ästhetischer Hinsicht, sie ist ein Gewinn. A Rebours! Alle Menschen sollten das Recht haben, schön zu sein. Ein Recht auf Schönheit, genauso wie ein Recht auf Bildung. Schönheit für alle. Künstliche oder natürliche Schönheit, was spielt das am Ende auch schon für eine Rolle. Die Möglichkeiten sind da. Spritzen Sie sich ruhig Botox in die Stirn, wenn Sie sich vor ihren Falten gruseln, wer mag es Ihnen verdenken. In geringen Dosen ist es völlig ungefährlich. Endlich hat Nervengas eine vernünftige Verwendungsform gefunden, Forschung zahlt sich aus. Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten, und das ist auch gut so. Erkennen Sie die Möglichkeiten und nutzen Sie sie. Nehmen Sie sich die Freiheit, Sie dürfen, aber Sie müssen nicht mehr so bleiben, wie sie sind. Sie haben die freie Wahl, doch überlegen Sie gut. Wollen Sie wirklich viel Geld für ein Auto ausgeben? Warum? Ihr Auto steht im Parkhaus, und Sie sitzen im Restaurant, da hat doch keiner was davon. Einen neuer, viel ästhetischerer Kopf hingegen würde Ihnen doch bestimmt viel mehr Freude bereiten - und den anderen Gästen sicherlich auch - zumindest sehr viel mehr, als Ihr Auto.
Wie dem auch sei, es ist selbstverständlich ganz allein ihre Entscheidung. Aber egal, wie Sie sich entscheiden, sehen Sie gut dabei aus. Beweisen Sie Stil und halten Sie insofern auch Maß. Schießen Sie nicht über das Ziel hinaus, zuviel des Guten kann auch einen Schritt zurück bedeuten, und alles war umsonst, wenn nicht sogar noch schlimmer. Lassen Sie sich Ihre Haut nicht zu weit über die Ohren ziehen. Auch einige Falten können durchaus attraktiv wirken. Setzen Sie sich eine möglichst natürliche Wirkung zum Ziel. Und jammern Sie nicht, wenn das Ergebnis nicht ihren Wünschen entspricht, die Brust leckt, oder das Sixpack auf die Leber drückt. Tragen Sie es mit Fassung, regen Sie sich nicht auf über den kleinen Fauxpas.
Sollte im Falle eines Falles die unwahrscheinliche Folge eines missglückten Eingriffs eingetreten sein, dann bleiben Sie bitte zu Hause.
„Die erste Pflicht im Leben ist, so künstlich wie möglich zu sein. Die zweite Pflicht hat bisher noch niemand entdeckt.“, wie Oscar Wilde bereits 1894 so vortrefflich bemerkte. Tun Sie uns allen einen Gefallen und halten Sie sich daran.
Wachen Sie auf!


Clerenz
am 8. Feb, 21:23