
Haben Sie eine Bonuskarte?
von Lydia
2. Januar 2002. „Haben Sie eine Bonuskarte?“, fragt die Kassiererin des Surreal-Supermarktes routiniert, nachdem Britta und Bodo ihre Einkäufe auf das Laufband gelegt haben und Bodo die weinrote Brieftasche aus seiner linken Hosentasche gezogen hat. „Nein“, antwortet Britta, „haben wir nicht. Wie funktioniert eigentlich dieses Punktesammelsystem?“
7. Januar 2002. Brittas und Bodos allererste, leuchtend blaue, noch nagelneu glänzende Bonuskarte ist heute eingetroffen. Der Surreal-Supermarkt hatte tatsächlich daran gedacht die Karte mit Bodos vollständigem Namen zu beschriften: Bodo Heiner Rübemann-Wunderstuck. Britta, deren Mädchenname ‚Wunderstuck’ lautete, umarmt Bodo gerührt, als sie die Karte erblickt.
Britta und Bodo können es kaum abwarten, am nächsten Tag im Surreal-Supermarkt einzukaufen, um ihre erste Bonuskarte einzuweihen. Ab sofort gilt es, jede Menge kostbarer Bonuspunkte zu sammeln, die eines Tages gegen hübsche Prämien eingetauscht werden sollen. Britta und Bodo dürfen jetzt keine Zeit verlieren und beschließen, noch öfter einzukaufen als bisher.
4. April 2002. „Haben Sie eine Bonuskarte?“, fragt die Kassiererin des Saufhof-Kaufhauses routiniert, während Bodo die soeben erworbenen beiden Plastiktaschen befüllt. Bereits zu Beginn ihres Zusammenlebens hatte Britta ihm eingetrichtert, dass die schweren Gegenstände stets ganz unten in die Tragetasche gehören und die leichten Gegenstände ganz oben zu liegen haben, damit beispielsweise die Milchtüten nicht zerplatzen oder die Nüsse nicht zerbröseln können. „Selbstverständlich haben wir eine Bonuskarte“, antwortet Britta stolz, „eine Bonuskarte vom Saufhof besitzen wir allerdings noch nicht.“, fügt sie vorfreudig hinzu, während sich Bodo die Nase putzt und einem anderen Kunden dabei zusieht, wie dieser zuerst zwei Milchtüten und danach einen großen Sack Kartoffeln in dessen Einkaufstasche wirft.
10. April 2002. Brittas und Bodos zweite Bonuskarte ist endlich angekommen. Die Karte ist pinkfarben und hat oben und unten dezente silberne Streifen. Die Karte wurde mit Brittas vollständigem Namen versehen. Britta Cornelia Wunderstuck-Rübemann. Britta strahlt über das ganze Gesicht. Unwillkürlich legt Bodo den Kopf zur Seite und lächelt, als Britta ihm die pinkfarbene Karte mit den silbernen Streifen zeigt. Bodos Augen glänzen und er muss plötzlich an ihren Hochzeitstag vor fünf Jahren zurückdenken, und wie sehr er es damals zu schätzen wusste, dass Britta sich für einen Doppelnamen entschied.
Am darauf folgenden Samstag verbringen Britta und Bodo viele wunderschöne Stunden im Saufhof-Kaufhaus, um ihre neue Bonuskarte einzuweihen und um mehrere neue Hosen mit modischen Hosenträgern für Bodo zu kaufen. Da Britta zwischen Januar und April sechs Kilogramm Körpergewicht und damit zwei Konfektionsgrößen zugelegt hatte, verzichtet sie vorerst auf neue Kleidung und beschränkt sich zunächst auf neue Schuhe, eine neue Brieftasche, eine neue Handtasche und ein Buch über Diäten.
5. Juni 2002. „Haben Sie eine Bonuskarte?“, fragt die Kassiererin des Waldi-Discounters routiniert, während Britta (Bodo hatte sein Portmonee zu Hause liegen lassen) ihre neue pinkfarbene Brieftasche aus der neuen pinkfarbenen Handtasche zieht, um die Einkäufe zu bezahlen. „Natürlich!“ lächelt Britta, während sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht streicht, „Aber eine Bonuskarte von Waldi haben wir leider noch nicht.“, fügt sie flüsternd hinzu.
1. Oktober 2005. Britta und Bodo besitzen inzwischen 48 Bonuskarten in vielen verschiedenen Farben. Seit einem halben Jahr gehen Bodo und Britta getrennt einkaufen, da Bodo viel lieber seine beiden weinroten Bonuskarten aus den Häusern Stöberia-Markt und Hektiker benutzt, während Britta ihre Einkäufe am liebsten im Fallmart-Kaufhaus tätigt, da sich ihr nur dort die Gelegenheit bietet, ihre einzige pinkfarbene Bonuskarte zu benutzen.
24. Dezember 2005. Die schon lange anhaltenden Streitereien im Hause Rübemann-Wunderstuck nehmen dramatische Ausmaße an, als Britta und Bodo eine heftige Diskussion darüber führen, dass die inzwischen zu einem großen Haufen angewachsenen, aus unzähligen Bonuspunkten resultierenden Prämien, für die sie nicht selten Zuzahlungen getätigt hatten, in der viel zu kleinen gemeinsamen Wohnung keinen Platz mehr finden und somit Entsorgungsmaßnahmen getroffen werden müssen, und die wütende Britta im Affekt eine von Bodos sechzehn Stichsägen aus dem geöffneten Fenster wirft, nachdem Bodo im Affekt Brittas einzige pinkfarbene Bonuskarte zerschnitten hatte.
25. Dezember 2005. Britta zerschneidet Bodos Hosenträgersammlung, bemalt seine Hosen mit pinkfarbenem Nagellack und schneidet unschöne Löcher in seine guten Socken, worauf Bodo vier von Brittas neuen Küchenmaschinen zertrümmert und hemmungslos ihre Stricknadeln verbiegt.
26. Dezember 2005. Britta zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus.
13. Januar 2006. Britta und Bodo versöhnen sich und beschließen, all ihre Bonuskarten zu vernichten und das Bonuspunktesammeln ein für allemal einzustellen. Gemeinsam zerschneiden sie die übrigen 47 Bonuskarten und treten symbolisch dem Club der anonymen Bonuspunktesammler bei.
1. März 2006. „Haben Sie eine Bonuskarte?“, fragt die Kassiererin ihres Lieblingskaufhauses routiniert, nachdem Britta ihre Einkäufe auf das Laufband gelegt hat. „Nein“, antwortet Britta zögerlich flüsternd und sich hektisch umschauend, „habe ich nicht. Aber…..“.
7. Januar 2002. Brittas und Bodos allererste, leuchtend blaue, noch nagelneu glänzende Bonuskarte ist heute eingetroffen. Der Surreal-Supermarkt hatte tatsächlich daran gedacht die Karte mit Bodos vollständigem Namen zu beschriften: Bodo Heiner Rübemann-Wunderstuck. Britta, deren Mädchenname ‚Wunderstuck’ lautete, umarmt Bodo gerührt, als sie die Karte erblickt.
Britta und Bodo können es kaum abwarten, am nächsten Tag im Surreal-Supermarkt einzukaufen, um ihre erste Bonuskarte einzuweihen. Ab sofort gilt es, jede Menge kostbarer Bonuspunkte zu sammeln, die eines Tages gegen hübsche Prämien eingetauscht werden sollen. Britta und Bodo dürfen jetzt keine Zeit verlieren und beschließen, noch öfter einzukaufen als bisher.
4. April 2002. „Haben Sie eine Bonuskarte?“, fragt die Kassiererin des Saufhof-Kaufhauses routiniert, während Bodo die soeben erworbenen beiden Plastiktaschen befüllt. Bereits zu Beginn ihres Zusammenlebens hatte Britta ihm eingetrichtert, dass die schweren Gegenstände stets ganz unten in die Tragetasche gehören und die leichten Gegenstände ganz oben zu liegen haben, damit beispielsweise die Milchtüten nicht zerplatzen oder die Nüsse nicht zerbröseln können. „Selbstverständlich haben wir eine Bonuskarte“, antwortet Britta stolz, „eine Bonuskarte vom Saufhof besitzen wir allerdings noch nicht.“, fügt sie vorfreudig hinzu, während sich Bodo die Nase putzt und einem anderen Kunden dabei zusieht, wie dieser zuerst zwei Milchtüten und danach einen großen Sack Kartoffeln in dessen Einkaufstasche wirft.
10. April 2002. Brittas und Bodos zweite Bonuskarte ist endlich angekommen. Die Karte ist pinkfarben und hat oben und unten dezente silberne Streifen. Die Karte wurde mit Brittas vollständigem Namen versehen. Britta Cornelia Wunderstuck-Rübemann. Britta strahlt über das ganze Gesicht. Unwillkürlich legt Bodo den Kopf zur Seite und lächelt, als Britta ihm die pinkfarbene Karte mit den silbernen Streifen zeigt. Bodos Augen glänzen und er muss plötzlich an ihren Hochzeitstag vor fünf Jahren zurückdenken, und wie sehr er es damals zu schätzen wusste, dass Britta sich für einen Doppelnamen entschied.
Am darauf folgenden Samstag verbringen Britta und Bodo viele wunderschöne Stunden im Saufhof-Kaufhaus, um ihre neue Bonuskarte einzuweihen und um mehrere neue Hosen mit modischen Hosenträgern für Bodo zu kaufen. Da Britta zwischen Januar und April sechs Kilogramm Körpergewicht und damit zwei Konfektionsgrößen zugelegt hatte, verzichtet sie vorerst auf neue Kleidung und beschränkt sich zunächst auf neue Schuhe, eine neue Brieftasche, eine neue Handtasche und ein Buch über Diäten.
5. Juni 2002. „Haben Sie eine Bonuskarte?“, fragt die Kassiererin des Waldi-Discounters routiniert, während Britta (Bodo hatte sein Portmonee zu Hause liegen lassen) ihre neue pinkfarbene Brieftasche aus der neuen pinkfarbenen Handtasche zieht, um die Einkäufe zu bezahlen. „Natürlich!“ lächelt Britta, während sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht streicht, „Aber eine Bonuskarte von Waldi haben wir leider noch nicht.“, fügt sie flüsternd hinzu.
1. Oktober 2005. Britta und Bodo besitzen inzwischen 48 Bonuskarten in vielen verschiedenen Farben. Seit einem halben Jahr gehen Bodo und Britta getrennt einkaufen, da Bodo viel lieber seine beiden weinroten Bonuskarten aus den Häusern Stöberia-Markt und Hektiker benutzt, während Britta ihre Einkäufe am liebsten im Fallmart-Kaufhaus tätigt, da sich ihr nur dort die Gelegenheit bietet, ihre einzige pinkfarbene Bonuskarte zu benutzen.
24. Dezember 2005. Die schon lange anhaltenden Streitereien im Hause Rübemann-Wunderstuck nehmen dramatische Ausmaße an, als Britta und Bodo eine heftige Diskussion darüber führen, dass die inzwischen zu einem großen Haufen angewachsenen, aus unzähligen Bonuspunkten resultierenden Prämien, für die sie nicht selten Zuzahlungen getätigt hatten, in der viel zu kleinen gemeinsamen Wohnung keinen Platz mehr finden und somit Entsorgungsmaßnahmen getroffen werden müssen, und die wütende Britta im Affekt eine von Bodos sechzehn Stichsägen aus dem geöffneten Fenster wirft, nachdem Bodo im Affekt Brittas einzige pinkfarbene Bonuskarte zerschnitten hatte.
25. Dezember 2005. Britta zerschneidet Bodos Hosenträgersammlung, bemalt seine Hosen mit pinkfarbenem Nagellack und schneidet unschöne Löcher in seine guten Socken, worauf Bodo vier von Brittas neuen Küchenmaschinen zertrümmert und hemmungslos ihre Stricknadeln verbiegt.
26. Dezember 2005. Britta zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus.
13. Januar 2006. Britta und Bodo versöhnen sich und beschließen, all ihre Bonuskarten zu vernichten und das Bonuspunktesammeln ein für allemal einzustellen. Gemeinsam zerschneiden sie die übrigen 47 Bonuskarten und treten symbolisch dem Club der anonymen Bonuspunktesammler bei.
1. März 2006. „Haben Sie eine Bonuskarte?“, fragt die Kassiererin ihres Lieblingskaufhauses routiniert, nachdem Britta ihre Einkäufe auf das Laufband gelegt hat. „Nein“, antwortet Britta zögerlich flüsternd und sich hektisch umschauend, „habe ich nicht. Aber…..“.
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