
3, 2, 1 – nicht mehr meins
von Katharina "Lyssa" Borchert
Eine Tante war schuld. Sie schenkte mir, als ich etwa acht Jahre alt war, zwei goldene Seifen in Engelsform, die auf einen blauen Waschlappen gebettet und mit einer dicken goldenen Schleife verziert waren. Vorher hatte ich weder Interesse an Seifen noch an Sammlungen erkennen lassen. Danach war es um mich geschehen. Ich verlieh meiner Freude über die geruchsintensiven Himmelsboten offensichtlich derart enthusiastisch Ausdruck, daß ich fortan überhäuft wurde mit Seifen jeder Form und Farbe. Vor allem ältere Tanten hielten das für ein angemessenes Geschenk für ein kleines Mädchen, das sich sonst jedem Geschlechterklischee strikt verweigerte.
Die ersten Exemplare wurden im Regal ausgestellt, doch schon bald wurden es einfach zu viele und die meisten mußten in einen Schuhkarton umziehen. Nach zwei Jahren hatte ich mehrere Schuhkartons voller Seife, pedantisch sortiert, wobei sich die Kriterien der Katalogisierung regelmäßig änderten. Ungefähr zu dieser Zeit begannen auch die Kopfschmerzen. Ich besaß mittlerweile genug Seife, um das ganze Ruhrgebiet von Kohlenstaub und Sünde reinzuwaschen, und die Kollektion konnte es an Geruchsintensität locker mit einer Jahresproduktion Kölnisch Wasser aufnehmen. Das Zeug mußte also dringend entsorgt werden, und ich war nicht besonders traurig, weil die immergleichen Seifengeschenke mich längst langweilten.
Das offizielle Aus für die Seifensammlung bedeutete jedoch nicht zugleich auch ein Ende der Geschenkseifen. Meine Verwandtschaft war bequem geworden in punkto Präsentauswahl und reichte noch lange Waschzeug nach. Die vorerst letzte Seife bekam ich mit 28 geschenkt. Aber das war mir eine Lehre. Ich habe nie wieder verkündet, ich würde dieses oder jenes sammeln – mit Ausnahme teurer technischer Gadgets vielleicht, die aber leider niemand ernsthaft als Geschenk in Erwägung zieht – um nicht für die nächsten zehn Jahre ein Geschenkabo auf etwas zu haben, das nur aus einer Laune heraus kurzfristig interessant schien.
Nie wieder Sammeln also. Statt dessen habe ich es mittels geschickter Projektion geschafft, fortan nur noch Männer kennenzulernen, die sonderbare Dinge sammeln. Astrologiebücher etwa, Pornohefte aus den 70ern oder Motorengeräusche, die derzeit natürlich alle digitalisiert werden müssen. Das liegt vermutlich daran, daß ich seit Schultagen eine Schwäche für Geeks habe, für Außenseiter und Exzentriker. Und genau diese Männer leben ihre Zwänge lieber beim Sammeln als in den Fitneßtempeln der Coolen und Schönen aus. Zeit dazu haben sie mangels anderweitiger sozialer Verpflichtungen meist reichlich.
Und so kommt es, daß ich auch heute noch umgeben bin von Sammlern und mich allzu oft den Erfordernissen ihrer Sammlungen beuge. Ich sortiere brav meine ausländischen Euromünzen aus und übergebe sie zu treuen Händen. Ich habe schon zahllose Speisekarten für Daheimgebliebene stehlen müssen, einige davon in Ländern, in denen man Dieben noch die rechte Hand abschlägt. Ganz zu schweigen von den unangenehmen Diskussionen, die man als Frau beim Erwerb von pornografischer Lektüre im Ausland erleben darf. Der Empfänger dieser speziellen Souvenirs bewahrt seine stetig wachsende Sammlung übrigens in einem Tresor auf, der leider schon zu voll ist, um auch noch seine teure Digitalkamera zu verwahren. Aber die kann man im Notfall ja nachkaufen, anders als so eine liebevoll gepflegte Sammlung.
Bei einem anderen Bekannten muß ich vorsichtig über etliche Meter Eisenbahn steigen, die sich nebst dazugehörigem Miniaturwunderland durch alle drei Zimmer seiner Wohnung schlängelt. Sein Bett hat er längst abgebaut und zugunsten der Erweiterung der Bahn durch eine schmale Ikea-Matratze ersetzt. Allerdings erst nachdem ihn seine letzte Freundin verlassen hat, weil sie nicht länger einen aussichtslosen Wettstreit mit Zinnfiguren führen wollte.
Strenggenommen sammle ich also doch wieder, Männer nämlich. Keine besonders pflegeleichte Sammlung, aber es gibt sie wenigstens nicht im Geschenkabo. Zumindest nicht dort wo meine Verwandtschaft einkauft.
Die ersten Exemplare wurden im Regal ausgestellt, doch schon bald wurden es einfach zu viele und die meisten mußten in einen Schuhkarton umziehen. Nach zwei Jahren hatte ich mehrere Schuhkartons voller Seife, pedantisch sortiert, wobei sich die Kriterien der Katalogisierung regelmäßig änderten. Ungefähr zu dieser Zeit begannen auch die Kopfschmerzen. Ich besaß mittlerweile genug Seife, um das ganze Ruhrgebiet von Kohlenstaub und Sünde reinzuwaschen, und die Kollektion konnte es an Geruchsintensität locker mit einer Jahresproduktion Kölnisch Wasser aufnehmen. Das Zeug mußte also dringend entsorgt werden, und ich war nicht besonders traurig, weil die immergleichen Seifengeschenke mich längst langweilten.
Das offizielle Aus für die Seifensammlung bedeutete jedoch nicht zugleich auch ein Ende der Geschenkseifen. Meine Verwandtschaft war bequem geworden in punkto Präsentauswahl und reichte noch lange Waschzeug nach. Die vorerst letzte Seife bekam ich mit 28 geschenkt. Aber das war mir eine Lehre. Ich habe nie wieder verkündet, ich würde dieses oder jenes sammeln – mit Ausnahme teurer technischer Gadgets vielleicht, die aber leider niemand ernsthaft als Geschenk in Erwägung zieht – um nicht für die nächsten zehn Jahre ein Geschenkabo auf etwas zu haben, das nur aus einer Laune heraus kurzfristig interessant schien.
Nie wieder Sammeln also. Statt dessen habe ich es mittels geschickter Projektion geschafft, fortan nur noch Männer kennenzulernen, die sonderbare Dinge sammeln. Astrologiebücher etwa, Pornohefte aus den 70ern oder Motorengeräusche, die derzeit natürlich alle digitalisiert werden müssen. Das liegt vermutlich daran, daß ich seit Schultagen eine Schwäche für Geeks habe, für Außenseiter und Exzentriker. Und genau diese Männer leben ihre Zwänge lieber beim Sammeln als in den Fitneßtempeln der Coolen und Schönen aus. Zeit dazu haben sie mangels anderweitiger sozialer Verpflichtungen meist reichlich.
Und so kommt es, daß ich auch heute noch umgeben bin von Sammlern und mich allzu oft den Erfordernissen ihrer Sammlungen beuge. Ich sortiere brav meine ausländischen Euromünzen aus und übergebe sie zu treuen Händen. Ich habe schon zahllose Speisekarten für Daheimgebliebene stehlen müssen, einige davon in Ländern, in denen man Dieben noch die rechte Hand abschlägt. Ganz zu schweigen von den unangenehmen Diskussionen, die man als Frau beim Erwerb von pornografischer Lektüre im Ausland erleben darf. Der Empfänger dieser speziellen Souvenirs bewahrt seine stetig wachsende Sammlung übrigens in einem Tresor auf, der leider schon zu voll ist, um auch noch seine teure Digitalkamera zu verwahren. Aber die kann man im Notfall ja nachkaufen, anders als so eine liebevoll gepflegte Sammlung.
Bei einem anderen Bekannten muß ich vorsichtig über etliche Meter Eisenbahn steigen, die sich nebst dazugehörigem Miniaturwunderland durch alle drei Zimmer seiner Wohnung schlängelt. Sein Bett hat er längst abgebaut und zugunsten der Erweiterung der Bahn durch eine schmale Ikea-Matratze ersetzt. Allerdings erst nachdem ihn seine letzte Freundin verlassen hat, weil sie nicht länger einen aussichtslosen Wettstreit mit Zinnfiguren führen wollte.
Strenggenommen sammle ich also doch wieder, Männer nämlich. Keine besonders pflegeleichte Sammlung, aber es gibt sie wenigstens nicht im Geschenkabo. Zumindest nicht dort wo meine Verwandtschaft einkauft.
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