
Im Zentrum des Zyklons
von ferromonte
Die Geschwindigkeit, mit der unser Leben vorangetrieben wird, nimmt stetig zu, das ist kein Geheimnis. Lärm von morgens bis abends, auf den Straßen Maschinen, die neben dem Lärm noch Giftgase entsenden, eine zeitgemäße Symbiose, und zuhause der Fernseher, der zwischen entnervenden Werbeblöcken schießende und mordende Artgenossen vorführt, als B-Movie oder Reality-TV (Newssendung).
Nachts knirschst du dann mit den Zähnen und brauchst sehr lange, bis dich Morpheus zu sich holen kann, den du kaum kennenlernst, weil dich ein sadistisches Fiepen in den nächsten Durchgang zurückholt. Da frage ich mich schon lange nicht mehr, wer hier eigentlich den Takt angibt, sondern rette mich besser von Oase zu Oase, von Zeitloch zu Zeitloch, dort, wo jemand stop! gesagt hat und seither Stille herrscht: Im Zentrum des Zyklons; im Auge des Horus.
So etwa das Erleben von (echter) Kunst: Augenblicklich gerätst du in eine zeitlose Ebene, lernst zu sehen, wirst hingeführt zum Wesentlichen. Siehst bald nur mehr Stein, Stern, Berg, Wolke und Baum. Siehst das Leben und siehst den Tod, der immer Hand in Hand mit dem Leben geht und immer nur einen Herzschlag entfernt ist: Wie groß doch das Kleine, das Profane ist.
Der schweizer Fotograf Beat Presser hat mit seinem neuen Buch eine solche Oase geschaffen. Dreißig Jahre davor ging dem Projekt ein Erlebnis voraus, das ihn durch den nahen Tod in die Langsamkeit, in die Zeitdehnung, zur verdichteten konzentrierten Wahrnehmung führte. "Da hat sich die Zeit anders zu manifestieren begonnen", erinnert sich Presser. "Jeder Bruchteil einer Sekunde war wie ein kleines Leben durchleben."
Zeit ist nicht Zeit. Zeit kann sich vielfältig manifestieren. Die messbaren Zeiteinheiten können sich im subjektiven Erleben zu endlosen Räumen dehnen, wenn du etwa ungeduldig auf einen bestimmten Zeitpunkt wartest, oder in eben solchen todesnahen Momenten. Oder aber sie verlieren gänzlich ihre lineare Struktur in der ängstlichen Hand des Delinquenten … Nein, Zeit gibt es in Wirklichkeit gar nicht. Und erst jenseits der Zeitwahrnehmung beginnt das wahre Leben. Das reine Erleben von Augenblicken und deren Qualität ist das Tor zum Eintritt ins Leben. Wie Hesses Siddharta, der das Tor zur Wirklichkeit im Flüstern und Murmeln des Wassers findet. Wenn es dir gelingt, im Alltag diesen Augenblick zu erleben, das bist du im Zentrum des Zyklons, wo die absolute Ruhe herrscht. Dort gelten die Gesetze der Physik nur beschränkt und die Zeit gibt es nicht mehr. Nur die Qualität des Augenblickes. Und diese Qualität kann keine Einschränkung auferlegt bekommen.
Das Auge des Horus hat magische Fähigkeiten, heilende Kräfte vielleicht, wer weiß das schon. Jedenfalls hat der zeitlose Moment solche: Wir werden wiedergeboren im Zustand jenseits der Zeit, schöpfen Kräfte aus unbekannten Reservoirs. Das Zentrum des Zyklons ist die Oase in unserem Alltag, immer erreichbar für uns, und – sie kostet nichts.
Nachts knirschst du dann mit den Zähnen und brauchst sehr lange, bis dich Morpheus zu sich holen kann, den du kaum kennenlernst, weil dich ein sadistisches Fiepen in den nächsten Durchgang zurückholt. Da frage ich mich schon lange nicht mehr, wer hier eigentlich den Takt angibt, sondern rette mich besser von Oase zu Oase, von Zeitloch zu Zeitloch, dort, wo jemand stop! gesagt hat und seither Stille herrscht: Im Zentrum des Zyklons; im Auge des Horus.
So etwa das Erleben von (echter) Kunst: Augenblicklich gerätst du in eine zeitlose Ebene, lernst zu sehen, wirst hingeführt zum Wesentlichen. Siehst bald nur mehr Stein, Stern, Berg, Wolke und Baum. Siehst das Leben und siehst den Tod, der immer Hand in Hand mit dem Leben geht und immer nur einen Herzschlag entfernt ist: Wie groß doch das Kleine, das Profane ist.
Der schweizer Fotograf Beat Presser hat mit seinem neuen Buch eine solche Oase geschaffen. Dreißig Jahre davor ging dem Projekt ein Erlebnis voraus, das ihn durch den nahen Tod in die Langsamkeit, in die Zeitdehnung, zur verdichteten konzentrierten Wahrnehmung führte. "Da hat sich die Zeit anders zu manifestieren begonnen", erinnert sich Presser. "Jeder Bruchteil einer Sekunde war wie ein kleines Leben durchleben."
Zeit ist nicht Zeit. Zeit kann sich vielfältig manifestieren. Die messbaren Zeiteinheiten können sich im subjektiven Erleben zu endlosen Räumen dehnen, wenn du etwa ungeduldig auf einen bestimmten Zeitpunkt wartest, oder in eben solchen todesnahen Momenten. Oder aber sie verlieren gänzlich ihre lineare Struktur in der ängstlichen Hand des Delinquenten … Nein, Zeit gibt es in Wirklichkeit gar nicht. Und erst jenseits der Zeitwahrnehmung beginnt das wahre Leben. Das reine Erleben von Augenblicken und deren Qualität ist das Tor zum Eintritt ins Leben. Wie Hesses Siddharta, der das Tor zur Wirklichkeit im Flüstern und Murmeln des Wassers findet. Wenn es dir gelingt, im Alltag diesen Augenblick zu erleben, das bist du im Zentrum des Zyklons, wo die absolute Ruhe herrscht. Dort gelten die Gesetze der Physik nur beschränkt und die Zeit gibt es nicht mehr. Nur die Qualität des Augenblickes. Und diese Qualität kann keine Einschränkung auferlegt bekommen.
Das Auge des Horus hat magische Fähigkeiten, heilende Kräfte vielleicht, wer weiß das schon. Jedenfalls hat der zeitlose Moment solche: Wir werden wiedergeboren im Zustand jenseits der Zeit, schöpfen Kräfte aus unbekannten Reservoirs. Das Zentrum des Zyklons ist die Oase in unserem Alltag, immer erreichbar für uns, und – sie kostet nichts.
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