
besame mucho
von Lydia
"Sie können keine Kinder bekommen", lautete die Nachricht des Arztes. M.'s größter Wunsch, für den sie lebte, wurde innerhalb weniger Sekunden von der Realität erdrosselt. Sie würde niemals ein Kind gebären können. Sie würde niemals Mutter werden können. Sie und ihr Mann würden zusammen niemals Eltern werden dürfen.
Niemals würde M. erleben dürfen, wie es ist, jemandem auf die Welt zu helfen, der ihr zeigen würde, was Bedingungslosigkeit wirklich bedeutet. Niemals würde sie ohne die Hilfe eines Spiegels in ihre eigenen Augen sehen dürfen. Und niemals würde sie ihrem Kind dabei zusehen dürfen, wie es vorfreudig nach einem dieser vielen kleinen Stofftiere in einem großen gläsernen Spielzeugautomaten angeln würde.
Vier Jahre später wurde M. schwanger.
Die regelmäßigen Untersuchungen während der Schwangerschaft zeigten ein gesundes Ungeborenes und eine folglich glückliche werdende Mutter. Dem kleinen Menschenkind in ihrem warmen Bauch ging es gut. Doch wie sich während ihrer Schwangerschaft herausstellen sollte, trug M. nicht nur ein Kind in ihrem Unterleib. Ausser ihrem Kind beherbergte sie einen Tumor in ihrem Körper.
"Sie haben Gebärmutterkrebs", lautete die Diagnose.
M. beschloss, die Schwangerschaft nicht abzubrechen. Wenn schon ihre eigene Zukunft noch ungewiss war, sollte wenigstens ihr Kind eine Chance bekommen zu überleben.
Ihre Tochter Tina kam gesund auf die Welt.
M. wurde die Gebärmutter aus dem Unterleib geschnitten, und damit auch die Chance auf weitere Kinder. Die Behandlung zeigte Erfolg und M. gesundete.
Endlich durfte sie leben, anstatt nur zu existieren. Endlich hatte sie alles, was sie sich immer gewünscht hatte. Sie hatte eine gesunde Tochter. Und sie hatte einen Mann, der ihr zur Seite stand.
Tina entwickelte sich zu einem aufgeweckten, glücklichen Mädchen und wuchs auf wie ein aufgewecktes, glückliches Mädchen, das nichts lieber tut, als mit anderen aufgeweckten Kindern zu toben, zu lachen, Streiche zu spielen und die Welt um sich herum zu entdecken.
Während ihre Eltern an einem sonnigen Apriltag mit Freunden im gemütlichen Straßenbistro saßen, spielte die inzwischen dreieinhalbjährige kleine Tina mit anderen Kindern vor dem Bistro. Die Kinder entdeckten einen dieser großen gläsernen Spielzeugautomaten, aus denen man kleine Stofftiere angeln kann. Da die Kinder keine Münzen hatten, um nach Stofftieren zu fischen, rüttelten sie mit vereinten Kräften an dem Kasten. Sie rüttelten so feste, dass er schließlich umfiel.
Der schwere, gläserne Kasten begrub Tinas kleinen Körper unter sich und quetschte ihren Schädel ein.
Tina lag drei Monate im Koma.
Sie verstarb im Juli 2005.
"Besame, besame mucho, que tengo miedo a perderte, perderte después"
Dieser Artikel ist bereits im Weblog des Autors erschienen.
Niemals würde M. erleben dürfen, wie es ist, jemandem auf die Welt zu helfen, der ihr zeigen würde, was Bedingungslosigkeit wirklich bedeutet. Niemals würde sie ohne die Hilfe eines Spiegels in ihre eigenen Augen sehen dürfen. Und niemals würde sie ihrem Kind dabei zusehen dürfen, wie es vorfreudig nach einem dieser vielen kleinen Stofftiere in einem großen gläsernen Spielzeugautomaten angeln würde.
Vier Jahre später wurde M. schwanger.
Die regelmäßigen Untersuchungen während der Schwangerschaft zeigten ein gesundes Ungeborenes und eine folglich glückliche werdende Mutter. Dem kleinen Menschenkind in ihrem warmen Bauch ging es gut. Doch wie sich während ihrer Schwangerschaft herausstellen sollte, trug M. nicht nur ein Kind in ihrem Unterleib. Ausser ihrem Kind beherbergte sie einen Tumor in ihrem Körper.
"Sie haben Gebärmutterkrebs", lautete die Diagnose.
M. beschloss, die Schwangerschaft nicht abzubrechen. Wenn schon ihre eigene Zukunft noch ungewiss war, sollte wenigstens ihr Kind eine Chance bekommen zu überleben.
Ihre Tochter Tina kam gesund auf die Welt.
M. wurde die Gebärmutter aus dem Unterleib geschnitten, und damit auch die Chance auf weitere Kinder. Die Behandlung zeigte Erfolg und M. gesundete.
Endlich durfte sie leben, anstatt nur zu existieren. Endlich hatte sie alles, was sie sich immer gewünscht hatte. Sie hatte eine gesunde Tochter. Und sie hatte einen Mann, der ihr zur Seite stand.
Tina entwickelte sich zu einem aufgeweckten, glücklichen Mädchen und wuchs auf wie ein aufgewecktes, glückliches Mädchen, das nichts lieber tut, als mit anderen aufgeweckten Kindern zu toben, zu lachen, Streiche zu spielen und die Welt um sich herum zu entdecken.
Während ihre Eltern an einem sonnigen Apriltag mit Freunden im gemütlichen Straßenbistro saßen, spielte die inzwischen dreieinhalbjährige kleine Tina mit anderen Kindern vor dem Bistro. Die Kinder entdeckten einen dieser großen gläsernen Spielzeugautomaten, aus denen man kleine Stofftiere angeln kann. Da die Kinder keine Münzen hatten, um nach Stofftieren zu fischen, rüttelten sie mit vereinten Kräften an dem Kasten. Sie rüttelten so feste, dass er schließlich umfiel.
Der schwere, gläserne Kasten begrub Tinas kleinen Körper unter sich und quetschte ihren Schädel ein.
Tina lag drei Monate im Koma.
Sie verstarb im Juli 2005.
"Besame, besame mucho, que tengo miedo a perderte, perderte después"
Dieser Artikel ist bereits im Weblog des Autors erschienen.


elfe
am 19. Dez, 10:57