
Siebenmeilenstiefel
von aiiiia
Mit routinierter Sorgfalt schließt Josef U. seinen Marktstand ab. Die selben Bewegungen, die er jetzt rund 30 Jahre lang gemacht hat: Licht ausschalten, Strom abstellen, die Rollläden runterlassen, die Tür versperren – beide Schlösser, ein letzter prüfender Griff in die Jackentasche, ob er den Tagesumsatz auch eingesteckt hat.
Dieser letzte Punkt ist inzwischen tatsächlich bloß mehr reine Gewohnheit, hat Herr U. doch seit einigen Wochen keinen Umsatz mehr gemacht - gar keinen. Deswegen ist er heute besonders gründlich beim Abschließen seines Marktstandes, die Standgebühren für die nächste Woche kann er sich nicht mehr leisten. Am Abend wird er hier auf den Käufer des Standes warten, der ihn mit einem alten, beigefarbenen Mercedes zu einem anderen Markt schleppen wird – den Inhalt soll Herr U. bis dahin entsorgt haben.
Herr U. verkaufte Siebenmeilenstiefel – so, wie zuvor sein Vater, davor sein Großvater und sein Urgroßvater und deren Väter und Großväter. Wenn er angestrengt nachdenkt, ist seine erste bewusste Erinnerung, die er vor Augen hat, wie er mit wahrscheinlich nicht mehr als 3 Jahren bei seinem Großvater in der Werkstatt steht und mit großen Augen und Ohren aufpasst, wie ein Paar Siebenmeilenstiefel entsteht.
Wann die Leute das Interesse an seinen Stiefeln verloren haben, vermag er nicht genau zu sagen, das kam schleichend. Und auch über die Gründe kann er nur rätseln. Oft bekommt er bloß noch einen irritierten Blick als Antwort, wenn er laut ruft „Siiieeebenmeilenstiefel! Kommen Sie, kaufen Sie!“. Zuletzt hat er auch gar nicht mehr gerufen, es hört ja doch keiner hin.
Herr U. streicht noch einmal verträumt über die Türklinke seines Standes, steckt den Schlüssel in die Tasche, dreht sich um und ist in ein, zwei Schritten zuhause.
Von der kleinen Blume, die sich ihren Weg durch den hart gefrorenen Boden gebahnt hat, nimmt er im Vorbeirauschen keine Notiz, genauso wenig wie vom Lächeln des Kindes, dem ein Fremder nach einem Sturz wieder aufs Dreirad geholfen hat.
Warum man keine Siebenmeilenstiefel haben will, wenn man damit doch überall schneller hinkommt, versteht er noch immer nicht.
Dieser letzte Punkt ist inzwischen tatsächlich bloß mehr reine Gewohnheit, hat Herr U. doch seit einigen Wochen keinen Umsatz mehr gemacht - gar keinen. Deswegen ist er heute besonders gründlich beim Abschließen seines Marktstandes, die Standgebühren für die nächste Woche kann er sich nicht mehr leisten. Am Abend wird er hier auf den Käufer des Standes warten, der ihn mit einem alten, beigefarbenen Mercedes zu einem anderen Markt schleppen wird – den Inhalt soll Herr U. bis dahin entsorgt haben.
Herr U. verkaufte Siebenmeilenstiefel – so, wie zuvor sein Vater, davor sein Großvater und sein Urgroßvater und deren Väter und Großväter. Wenn er angestrengt nachdenkt, ist seine erste bewusste Erinnerung, die er vor Augen hat, wie er mit wahrscheinlich nicht mehr als 3 Jahren bei seinem Großvater in der Werkstatt steht und mit großen Augen und Ohren aufpasst, wie ein Paar Siebenmeilenstiefel entsteht.
Wann die Leute das Interesse an seinen Stiefeln verloren haben, vermag er nicht genau zu sagen, das kam schleichend. Und auch über die Gründe kann er nur rätseln. Oft bekommt er bloß noch einen irritierten Blick als Antwort, wenn er laut ruft „Siiieeebenmeilenstiefel! Kommen Sie, kaufen Sie!“. Zuletzt hat er auch gar nicht mehr gerufen, es hört ja doch keiner hin.
Herr U. streicht noch einmal verträumt über die Türklinke seines Standes, steckt den Schlüssel in die Tasche, dreht sich um und ist in ein, zwei Schritten zuhause.
Von der kleinen Blume, die sich ihren Weg durch den hart gefrorenen Boden gebahnt hat, nimmt er im Vorbeirauschen keine Notiz, genauso wenig wie vom Lächeln des Kindes, dem ein Fremder nach einem Sturz wieder aufs Dreirad geholfen hat.
Warum man keine Siebenmeilenstiefel haben will, wenn man damit doch überall schneller hinkommt, versteht er noch immer nicht.
Kommentar posten

