
Wir müssen nicht wollen
von Solmaz Khorsand
Belgrad, Tiflis, Kiew - drei Städte als Synonym für die moderne Revolution.
Erst vor einigen Wochen titelte der Spiegel mit ihnen und sprach von der "Revolutions- GmbH" – eine Gesellschaft mit dezentraler Führung, die den friedlichen Widerstand mittels Internet, Kongressen und den passenden Logos vermarktet, an Lokalitäten anpasst und ihm ihren unverkennbaren Stempel aufdrückt: Revolution – ideologiefrei idealistisch. Ziel: der Machtwechsel. Was danach kommt, scheint egal. Man weiß genau dass mit dem Abgang Milosevics, Schewardnadses oder der Verhinderung Janukowitschs die Probleme nicht gelöst sind, aber das spielt keine Rolle.
Die Revolutions- GmbH kümmert sich nicht um das Morgen, sondern um das Hier und Jetzt, und das beschränkt sich vorerst darauf Diktatoren zu stürzen; gemeinsam aus einem echten Widerstand heraus, keinem gefakten. Gegen ein undemokratisches Regime anzukämpfen, hat Stil, seine Haare regierungskritisch zu färben, weniger.
Man beneidet sie, die Belgrader, Ukrainer, Georgier und wenn es sein soll, sogar die Chinesen, Nordkoreaner und Burmesen. Sie haben das Recht zum Aufstand, es handelt sich hierbei nicht um imaginäre Verbote, von denen es sich wie ein Pubertierender künstlich zu befreien gilt, sondern um echte Empörung, die wir uns als "verdorbene Kinder des Westens" - so der französische Autor Camille de Toledo - verdienen müssen. Und wie gerne, würden einige, um nicht zu sagen viele, einmal wirklich aufbegehren, doch mangelt es ihnen an Authentizität und das wissen sie.
Als Opfer einer Geschichte, die wir nicht zu verantworten haben, Ideologien, die wir nicht entworfen haben und Utopien, die uns vorgeträumt wurden, spielen wir auf einem abgeschlossenen Platz der gebrochenen Ideale wie Kinder, welche die ausgebleichten Kleidungsstücke ihrer Geschwister tragen. Es gibt nichts wogegen authentisch rebelliert werden kann. Die Revolte gegen das System wirkt kopiert, gegen Ideologien pathetisch und gegen die Familie aussichts- wenn auch zeitlos.
Aus Albert Camus "ich empöre mich, also sind wir" – wurde längst Frédéric Beigbeders beiläufiges "ridiculo ergo sum." Was bleibt anderes übrig, als die Dinge beim Namen zu nennen, sich dem kollektiven "Eine andere Welt ist möglich" - Antiglobalisierungskitsch anzuschließen um es im selben Augenblick zu belächeln. Oder wie es Toledo subsummiert unter dem Begriff des Massendandyismus: "der Lebensumstand eines Mannes, der auf einem Müllhaufen sitzt und lacht." Er lacht, weil er sich entschieden hat, auf dem Müllhaufen und nicht dagegen zu leben. Es herrscht eine Ära des permanenten Zynismus, deren zeitgenössische Revolte darin besteht, gegen diesen Zynismus anzukämpfen und sich nach ein bisschen Kitsch und Pathos des Ehrlichen und Echten zu sehnen.
Doch wer sagt denn, dass wir nicht gerne auf diesem Müllhaufen sitzen? Schließlich haben wir uns entschieden lächerlich zu sein. Hauptsache authentisch, auch wenn das zur Folge hat, dass man stinkt.
Erst vor einigen Wochen titelte der Spiegel mit ihnen und sprach von der "Revolutions- GmbH" – eine Gesellschaft mit dezentraler Führung, die den friedlichen Widerstand mittels Internet, Kongressen und den passenden Logos vermarktet, an Lokalitäten anpasst und ihm ihren unverkennbaren Stempel aufdrückt: Revolution – ideologiefrei idealistisch. Ziel: der Machtwechsel. Was danach kommt, scheint egal. Man weiß genau dass mit dem Abgang Milosevics, Schewardnadses oder der Verhinderung Janukowitschs die Probleme nicht gelöst sind, aber das spielt keine Rolle.
Die Revolutions- GmbH kümmert sich nicht um das Morgen, sondern um das Hier und Jetzt, und das beschränkt sich vorerst darauf Diktatoren zu stürzen; gemeinsam aus einem echten Widerstand heraus, keinem gefakten. Gegen ein undemokratisches Regime anzukämpfen, hat Stil, seine Haare regierungskritisch zu färben, weniger.
Man beneidet sie, die Belgrader, Ukrainer, Georgier und wenn es sein soll, sogar die Chinesen, Nordkoreaner und Burmesen. Sie haben das Recht zum Aufstand, es handelt sich hierbei nicht um imaginäre Verbote, von denen es sich wie ein Pubertierender künstlich zu befreien gilt, sondern um echte Empörung, die wir uns als "verdorbene Kinder des Westens" - so der französische Autor Camille de Toledo - verdienen müssen. Und wie gerne, würden einige, um nicht zu sagen viele, einmal wirklich aufbegehren, doch mangelt es ihnen an Authentizität und das wissen sie.
Als Opfer einer Geschichte, die wir nicht zu verantworten haben, Ideologien, die wir nicht entworfen haben und Utopien, die uns vorgeträumt wurden, spielen wir auf einem abgeschlossenen Platz der gebrochenen Ideale wie Kinder, welche die ausgebleichten Kleidungsstücke ihrer Geschwister tragen. Es gibt nichts wogegen authentisch rebelliert werden kann. Die Revolte gegen das System wirkt kopiert, gegen Ideologien pathetisch und gegen die Familie aussichts- wenn auch zeitlos.
Aus Albert Camus "ich empöre mich, also sind wir" – wurde längst Frédéric Beigbeders beiläufiges "ridiculo ergo sum." Was bleibt anderes übrig, als die Dinge beim Namen zu nennen, sich dem kollektiven "Eine andere Welt ist möglich" - Antiglobalisierungskitsch anzuschließen um es im selben Augenblick zu belächeln. Oder wie es Toledo subsummiert unter dem Begriff des Massendandyismus: "der Lebensumstand eines Mannes, der auf einem Müllhaufen sitzt und lacht." Er lacht, weil er sich entschieden hat, auf dem Müllhaufen und nicht dagegen zu leben. Es herrscht eine Ära des permanenten Zynismus, deren zeitgenössische Revolte darin besteht, gegen diesen Zynismus anzukämpfen und sich nach ein bisschen Kitsch und Pathos des Ehrlichen und Echten zu sehnen.
Doch wer sagt denn, dass wir nicht gerne auf diesem Müllhaufen sitzen? Schließlich haben wir uns entschieden lächerlich zu sein. Hauptsache authentisch, auch wenn das zur Folge hat, dass man stinkt.




Markweee
am 22. Aug, 11:31
social work degree AND Psychology Diploma