
Die Revolution im Kühlregal
von ix
Ich hab ja keine Ahnung, aber ich habe das Gefühl, Revolutionen waren früher blutrünstiger, brutaler und wärmer. Ich denke da an Mittelamerika und die Karibik. Zigarrenrauchende Südländer mit kurzen Uniformhemden, stets mit Pistole am Gürtel und auch mal bereit einen Konterrevolutionär abzuknallen oder für den Sozialismus zu sterben.
Warme Länder, heiße Revolutionen. Das ist natürlich Quark, Revolutionen hatten nie etwas mit den klimatischen Randbedingungen zu tun. Wäre aber eine schöne Überleitung zu modernen Revolutionen gewesen, zu kalten und friedlichen Revolutionen, zum Beispiel die in Deutschland im Herbst 1989. Oder die “Orangene” Revolution 2004 in der Ukraine. Eiskalt war es in Kiew, als Tausende in orangenen Klamotten auf die Strassen und Plätze gingen. So bitterkalt wie im Kühlregal. Da passte es gut, dass die Botschafter der Kindermilchschnitte, Wladimir und Vitali Klitschko, quasi direkt vom Kühlregal, sich an der Revolution in ihrer Heimat beteiligen konnten.
Aber so einfach macht es einem die Geschichte nicht. Wohl aber die Werbung. Dank Werbung kann jeder, zu jeder Zeit an Revolutionen teilnehmen. Zum Beispiel an der “probiotischen Revolution”. Die findet wirklich im Kühlregal statt und wer teilnehmen will muss sich nur einen probiotischen Drink kaufen, oft ist das sogar mit “Geld-zurück-Garantie” möglich. Wer an der Revolution teilnimmt und solche probiotischen Lebensmittel zu sich nimmt, lässt quasi freundlich gesinnte Agenten in seinen Magen-Darm Trakt die sehr überlebensfähig (probiotisch eben) sind und feindliche Angriffe im Magen überstehen, als Schläfer quasi, um dann im Darm aufzuräumen und dort schädliches Zeugs zu eliminieren. Das zumindest suggeriert diePropaganda Werbung.
Die “probiotische Revolution” ist Teil eines großen Ganzen das sich anschickt die Weltherrschaft über die Verkaufsregale zu erlangen und zwar Teil der sogenannten “Funktions-Nahrungsmittel Revolution” die auch noch fraktionsübergreifend wirkt (links und rechtsdrehend). Zu dieser Revolution wurde auch schon ein Manifest veröffentlicht, das auch käuflich zu erwerben ist: The Functional Foods Revolution.
Man muss sich tief vor Frau Rosa Luxemburg verneigen, die vor vielen Jahren vorhersah, dass der Molkerei und milchwirtschaftliche Komplex versuchen würde, die revolutionären Kräfte an sich zu binden und zum eigenen Vorteil zu nutzen:Opium Beruhigungsmitteln für das Volk versuchen revolutionäre Kräfte zu kanalisieren und zu ihrem Vorteil zu nutzen. Während der französischen Revolution mussten Bürger mit Ambitionen auf hohe Regierungsämter zuerst den König mittels einer Guillotine aus dem Weg räumen. im modernen Mitteleuropa ist das einfacher geworden, “heute ein König” zu sein ist nur eine oder zwei Flaschen Bier entfernt. Auch die Agrarindustrie, die Bauernstände, stehen in einer langen revolutionären Tradition die sie auch gegenwärtig weiter verfolgen. So motivierte die Firma Pfanni 1995 das Volk mit folgender Agitation:
Die Revolution muss natürlich auch verteidigt werden, die Stärkung der “Abwehrkräfte” schreiben sich viele revolutionäre Produkte auf die Fahnen (“Casei Defensis unterstützt das natürliche Gleichgewicht unserer Darmflora und hilft die Ausbreitung unerwünschter Bakterien zu verhindern”).
Seit längerer Zeit laufen Verhandlungen aller revolutionären Kräfte, alte überholte Revolutionsprosa wie “Sozialismus oder Tod” umzuwandeln in “probiotische und gesunde Ernährung oder früher Tod”.
Radikale DiätIdeologen Vordenker und Verfechter makrobiotischer Ernährung versuchen das Volk auf den revolutionären Pfad zu führen:
Warme Länder, heiße Revolutionen. Das ist natürlich Quark, Revolutionen hatten nie etwas mit den klimatischen Randbedingungen zu tun. Wäre aber eine schöne Überleitung zu modernen Revolutionen gewesen, zu kalten und friedlichen Revolutionen, zum Beispiel die in Deutschland im Herbst 1989. Oder die “Orangene” Revolution 2004 in der Ukraine. Eiskalt war es in Kiew, als Tausende in orangenen Klamotten auf die Strassen und Plätze gingen. So bitterkalt wie im Kühlregal. Da passte es gut, dass die Botschafter der Kindermilchschnitte, Wladimir und Vitali Klitschko, quasi direkt vom Kühlregal, sich an der Revolution in ihrer Heimat beteiligen konnten.
Aber so einfach macht es einem die Geschichte nicht. Wohl aber die Werbung. Dank Werbung kann jeder, zu jeder Zeit an Revolutionen teilnehmen. Zum Beispiel an der “probiotischen Revolution”. Die findet wirklich im Kühlregal statt und wer teilnehmen will muss sich nur einen probiotischen Drink kaufen, oft ist das sogar mit “Geld-zurück-Garantie” möglich. Wer an der Revolution teilnimmt und solche probiotischen Lebensmittel zu sich nimmt, lässt quasi freundlich gesinnte Agenten in seinen Magen-Darm Trakt die sehr überlebensfähig (probiotisch eben) sind und feindliche Angriffe im Magen überstehen, als Schläfer quasi, um dann im Darm aufzuräumen und dort schädliches Zeugs zu eliminieren. Das zumindest suggeriert die
Die “probiotische Revolution” ist Teil eines großen Ganzen das sich anschickt die Weltherrschaft über die Verkaufsregale zu erlangen und zwar Teil der sogenannten “Funktions-Nahrungsmittel Revolution” die auch noch fraktionsübergreifend wirkt (links und rechtsdrehend). Zu dieser Revolution wurde auch schon ein Manifest veröffentlicht, das auch käuflich zu erwerben ist: The Functional Foods Revolution.
Man muss sich tief vor Frau Rosa Luxemburg verneigen, die vor vielen Jahren vorhersah, dass der Molkerei und milchwirtschaftliche Komplex versuchen würde, die revolutionären Kräfte an sich zu binden und zum eigenen Vorteil zu nutzen:
Die Revolution ist großartig, alles andere ist Quark.Doch nicht nur die Milchindustrie ist revolutionär tätig. Auch die Hersteller von
(Rosa Luxemburg)
Jede Revolution beginnt mit einem Auflauf. (Pfanni)Die Agitation war zumindest in Deutschland erfolgreich, glaubt man dem Propagandabüro des deutschen Bauernstandes. Denn in “der Küche” kam es bereits zur Revolution:
Jede zweite Knolle geht inzwischen in die Verarbeitung von Kartoffelpüree in Pulverform – das galt vor vielen Jahrzehnten als kulinarische Revolution. (CMA)War es früher mitunter schwierig Regierungseinrichtungen zu stürmen, so helfen heutzutage sogar Banken “den Weg frei zu machen”. Auch Regierungsorganisationen geben Einkaufstipps (“kauft nur bei bio-bauern!”) oder Umsturztipps gegen Regierungen die einen ungesunden, konterrevolutionären Lebensstil fördern.
Die Revolution muss natürlich auch verteidigt werden, die Stärkung der “Abwehrkräfte” schreiben sich viele revolutionäre Produkte auf die Fahnen (“Casei Defensis unterstützt das natürliche Gleichgewicht unserer Darmflora und hilft die Ausbreitung unerwünschter Bakterien zu verhindern”).
Seit längerer Zeit laufen Verhandlungen aller revolutionären Kräfte, alte überholte Revolutionsprosa wie “Sozialismus oder Tod” umzuwandeln in “probiotische und gesunde Ernährung oder früher Tod”.
Radikale Diät
Seid ihr bereit, eine Revolution anzufangen? (Madonna, am Live8-Konzert in London, 2. Juli 2005)Jeder kann an der Revolution teilhaben, man muss am Kühlregal nur auf das mindesthaltbarkeitsdatum achten.
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