Total vernetzt

von dormilla
Die große Vernetzung nimmt ihren Lauf. Das Internet ist ein rastlos wachsender Informationsspeicher geworden, der die öffentliche Wissenszirkulation massiv erweitert hat. Prinzipiell ja nicht schlecht, doch mittlerweile hängen wir am Internet wie an der Nabelschnur. Egal was wir tun, wohin wir gehen, wir sind immer und überall vernetzt, mittendrin – oder wenigstens dabei. Egal ob in Sachen Arbeit oder Privatvergnügen. Wir sind immer online – WLAN sei dank. Teil eines großen Ganzen: Be part of it.

Ist ja auch schick und schön. Wir wissen wie den Freunden im Urlaub das Abendessen geschmeckt hat, wir können uns mit einem Klick schlau machen über so gut wie alles, wir können über unser kleines, fades Leben bloggen – und es interessiert noch jemanden. You are not alone. Wie schön. Und wenn unser Auto den Weg bald von alleine findet und unser intelligenter Kühlschrank die Einkaufsliste für uns schreibt, dann soll uns das noch nur recht sein. Oder?

Wie viel Vernetzung brauchen wir denn wirklich? Schon mal im „Net“ verheddert? Wollen wir das wirklich alles wissen? Wie wärs denn mit ein wenig Privatsphäre statt Seelenstrip? Und ist es das bisschen Rabatt dank Kundencard wirklich wert, dass jeder weiß, wie oft und wie viel lagig wir Klopapier kaufen? Wollen wir wirklich eine Bierkonsum-Statistik von unserem Wirtn? Schon mal auf der Autobahn den Kontostand geprüft?

Alles sollte seine Grenzen haben, auch die Informationsgesellschaft. Die Kluft zwischen „Informierten“, „Überinformierten“ und „Nicht-Informierten“ vertieft sich immer mehr und wie auf jedem anderen Markt geht es auch auf dem Informationsmarkt vor allem um eines: Besitz, Kontrolle und (Wissen =) Macht. Man sollte also bei allem Willen zum Exhibitionismus auch mal über Informationsgerechtigkeit sprechen und nachdenken…
Vernetzten Intelligenz wo es nur geht. Unvorstellbar, wie man in Zeiten vor der digitalen Vernetzung nur leben konnte.
Dormilla beschreibt sich selbst als eine Person mit zwei Persönlichkeiten. Blond und dunkelhaarig zugleich. Groß und doch etwas kleiner. Interessiert an Blogs, aber lieber doch nicht Blogger. Einfach einzigartig.
mindestens haltbar 11/2005
Jahrgang 01
Ausgabe 03
ISSN 1816-8159
Autor: dormilla
Titel: Total vernetzt
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am 24. Nov, 02:59

Du linkst das Wort Privatsphäre auf http://www.datenschutz.de/ - doch meiner Meinung nach ist Datenschutz und der selbstbestimmte Umgang mit Privatsphäre nicht gleichzusetzen. Ob jemand sein Innerstes geheim hält oder freiwillig potentiell Milliarden Menschen online zum Lesen feilbietet, ist das eine. Das andere ist die immer umfassendere unfreiwillige Überwachung, die jeden einzelnen betrifft. Wir hinterlassen überall Datenspuren und von Seiten des Staates und von Unternehmen wird dies freudig aufgenommen und dazu genutzt ihr Strafverfolgung bzw. kostenlose Marktforschung immer enger zu schnüren. Ab und zu mault mal ein Datenschutzbeauftragter. Aber wo findet eine echte gesellschaftliche Debatte darüber statt, was in diesem Bereich seit Jahren passiert?


am 25. Nov, 13:53

Bei all der Überaschung darüber, daß sich die Vernetzung allgemein ausbreitet, und daß verstärkter Informationsaustausch zu einer stärkeren Verbreitung von Informationen gibt, sollte man sich vielleicht nicht wundern, daß es Menschen gibt die sich schon seit langem mit diese, damals noch sehr visionären, Auswirkungen der Informationstechnik beschäftigen.

Ohne jetzt allzu speziell Werbung laufen zu wollen könnte man zum Beispiel mal beim "Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V." anfragen. Oder Joseph Weizenbaum lesen oder vielleicht auch mal mit Leuten reden die die heute existierenden Datenschutzgesetze initiiert haben. Es ist nicht so, daß die Problematik allzu unbekannt ist.

Das Problem existiert zugegebenermaßen trotz alledem und verstärkt sich durchaus zunehmend. Es ist halt nur so, daß es nicht nötig ist von null anzufangen, wenn man sich damit beschäftigen will.