
Die Wagenrücklauftaste
von sopran
Von meinem Platz unter dem Esstisch lauschte ich als Kind der Musik der Praxis 48, einem grauen Ding mit grünen Tasten. Das weiche Ping brach in das gleichmäßige Klappern ein, dann ein paar vorsichtigere Klapperer bis zum Zeilenende. Das kurze Schnarren der Wagenrücklauftaste leitete das Schlittergeräusch ein, mit dem die Walze von links nach rechts rutschte.
Seit ich zehn war, schrieb ich von Hand Schulhefte und Kladden voll. Das war Echtzeitschreiben, Denken = Schreiben in Schnelle und Inhalt: Denken ohne Schreiben fiel mir schwer. An pubertären Krisentagen füllte ich zwei, drei Hefte. Je schneller, desto haltloser wurde das Schreiben – und das Denken. Im Sommer 1984, mit 16, lernte ich tippen aus dieser unruhigen Langeweile, aus der ich später in den 90ern tage- und nächtelang vor einem grau-grünen Bildschirm fallende Klötzchen sortierte und mit ENTER fallen ließ.
Die Schreibmaschine ordnete Denken und Schreiben, zwang zu Ruhe und Sorgfalt. Ein Blatt einspannen, ausrichten, Tabulatoren setzen. Einen oberen, linken, rechten Rand festlegen. Wörter und Worte wählen. Ich tippte zügig aber vorsichtig. Ließ nur kleine Fehler zu. Tippex klemmten in einer Halterung an der Maschine. Ich liebte die verbrauchten Blättchen mit den Negativ-Buchstaben kreuz und quer. Buchstabensuppe.
Das Ping mochte ich, es bedeutete: Etwas geschafft haben. Ping, eine schnelle Entscheidung, Wort beenden oder trennen, Wagenrücklauftaste, weiter im Takt, Ping, trennen Wagenrücklauftaste. Wenn das Ping einen Rhythmus bekam, fühlte ich Musik, ein Debussy-Prelude. Doch half Ping nur am rechten Rand. Am Seitenende lag die Fußnotenhölle, in die ich bei meiner ersten juristischen Hausarbeit fiel.
Mit dem PC, WordPerfect 3.1 auf Dos, wurde Denken wieder gleich Schreiben, die Wagenrücklauftaste zu Return oder Enter. Ein Wort für anglophobe Sprachpuristen. Leises Klicken, dem kein Schlittern mehr folgte, das aber die Arbeit von Tagen im großen schwarzen Nichts der 12 MB-Platte versenken konnte.
Und wieder holt das Schreiben das Denken ein, das Denken das Schreiben. Nichts zwingt mich zu Ruhe und Sorgfalt.
Seit ich zehn war, schrieb ich von Hand Schulhefte und Kladden voll. Das war Echtzeitschreiben, Denken = Schreiben in Schnelle und Inhalt: Denken ohne Schreiben fiel mir schwer. An pubertären Krisentagen füllte ich zwei, drei Hefte. Je schneller, desto haltloser wurde das Schreiben – und das Denken. Im Sommer 1984, mit 16, lernte ich tippen aus dieser unruhigen Langeweile, aus der ich später in den 90ern tage- und nächtelang vor einem grau-grünen Bildschirm fallende Klötzchen sortierte und mit ENTER fallen ließ.
Die Schreibmaschine ordnete Denken und Schreiben, zwang zu Ruhe und Sorgfalt. Ein Blatt einspannen, ausrichten, Tabulatoren setzen. Einen oberen, linken, rechten Rand festlegen. Wörter und Worte wählen. Ich tippte zügig aber vorsichtig. Ließ nur kleine Fehler zu. Tippex klemmten in einer Halterung an der Maschine. Ich liebte die verbrauchten Blättchen mit den Negativ-Buchstaben kreuz und quer. Buchstabensuppe.
Das Ping mochte ich, es bedeutete: Etwas geschafft haben. Ping, eine schnelle Entscheidung, Wort beenden oder trennen, Wagenrücklauftaste, weiter im Takt, Ping, trennen Wagenrücklauftaste. Wenn das Ping einen Rhythmus bekam, fühlte ich Musik, ein Debussy-Prelude. Doch half Ping nur am rechten Rand. Am Seitenende lag die Fußnotenhölle, in die ich bei meiner ersten juristischen Hausarbeit fiel.
Mit dem PC, WordPerfect 3.1 auf Dos, wurde Denken wieder gleich Schreiben, die Wagenrücklauftaste zu Return oder Enter. Ein Wort für anglophobe Sprachpuristen. Leises Klicken, dem kein Schlittern mehr folgte, das aber die Arbeit von Tagen im großen schwarzen Nichts der 12 MB-Platte versenken konnte.
Und wieder holt das Schreiben das Denken ein, das Denken das Schreiben. Nichts zwingt mich zu Ruhe und Sorgfalt.
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