
Praktisch, passt, fabelhaft
von Blogistin
Früh am Morgen, trage eine Kanne Tee in mein Büro, klappe mein Laptop auf, drücke den Einschaltknopf, gieße mir Tee ein. Das System fährt hoch, trinke einen Schluck Earl Grey. Stelle die Verbindung zu WLAN her, öffne das E-Mail-Programm, den Browser, das Schreibprogramm. „Ping – ping – ping“, lese die Mails der Kollegen, die am Freitag länger in ihren Büros saßen oder heute morgen früher ihre Rechner hochgefahren haben, lese die Mails jener Kollegen, die am Wochenende arbeiteten, zu Hause vielleicht, via Laptop hat jeder alles dabei, immer, überall. Praktisch, perfekt.
Beantworte Fragen, löse Aufgabenstellungen, schreibe Mails, gebe Fragen weiter, richtige Aufgaben an Kollegen, die irgendwo da draußen gleich, später, heute, irgendwann ihre E-Mails abrufen werden.
Wähle ein, zwei, drei CDs aus meiner Sammlung, passend zu meiner Stimmung, passend zum Kaltgrau des Tages, lege die erste in den CD-Player, die Fernbedienung immer neben mir, nicht jedes Stück mag ich hören, während ich arbeite, lese, schreibe, google, maile, blogge, flickr-klicke. Praktisch, fabelhaft wäre ein Wechsler, ein CD-Wechsler ähnlich dem, den ich im Auto habe, denke ich als ich die zweite CD einlege, google, finde mehrere Modelle, eines kann bis zu 25 CDs aufnehmen. Praktisch, denke ich. Mache mir auf meiner Wunschliste im Laptop eine Notiz, in Fach-Foren nach Testberichten zu stöbern, um das fabelhafte Gerät zu finden, später, irgendwann. Entdecke eine ältere Notiz, einen Handheld, mit dem man auch telefonieren kann, wollte ich mir anschaffen, um endlich, endlich all meine Adressdaten und Termine überall griffbereit zu haben, sie reibungslos, nahtlos synchronisieren zu können, mit meinem Laptop, meinem Leben. Surfe durchs Netz, stöbere hier und da, schaue ob es zwischenzeitlich neue Geräte gibt, die fabelhaft zu meinen Wünschen passen. „Ping“, eine Frage einer Kollegin ruft mir in Erinnerung, dass da noch ein Auftrag wartet, ein Text, Abgabe morgen.
Beantworte die Mail, recherchiere für den Auftrag, entdecke dabei zufällig einen Shop, der genau das bietet, wonach ich am Wochenende in der Stadt in vier Geschäften vergeblich suchte: „Strumpfhose, Schokobraun, Größe I, Hersteller Y, Modell Z, zweimal bitte!“ – „Vergriffen, bekommen wir nächste Woche wieder rein. Vielleicht.“ Von wegen: vorrätig, versandfertig in 24 Stunden. Praktisch, fabelhaft. Klicke mich durch das Angebot, bestelle. Erinnere mich, dass da noch die neue CD von X ist, die ich in keinem Laden bekam. Finde sie, bestelle sie, wieder ein Haken mehr auf der „Dringend besorgen“-Liste.
Weiter im Text, weiter, immer weiter, die Erinnerung „Abgabe: Text für H.“ blinkt nun im Stunden-Takt auf meinem Bildschirm auf.
Später Nachmittag, nach der dritten Tasse Kaffee will mein Magen mehr, „Ping“, der Rest des Risottos von gestern hat genau die richtige Temperatur, als ich ihn aus der Mikrowelle nehme.
„Ping“, D. schickt mir einen Link zu ihrer aktualisierten Website, lese ihre Gedanken, schaue Bilder ihrer letzten Reise an, freue mich über die Nähe, die wir teilen, Nähe, die wir trotz der 650 Kilometer, die zwischen uns liegen, halten können, weil wir moderne Werkzeuge nutzen, um unseren Gedanken lesbar zu machen, Bildausschnitte aus unseren Leben zugänglich zu machen füreinander, für jedermann.
Lege die Tageszeitung beiseite, rufe stattdessen ein paar News-Seiten auf, suche gezielt nach neuen Meldungen zu den Themen, die mich beschäftigen, maile mit ein, zwei Freunden, noch eine Tasse Kaffee, lasse Luft ins Zimmer, dunkel ist es draußen schon. Wechsle die CD, schaue in den Regen, genieße die Kälte am weit geöffneten Fenster, höre das „Ping“ meines E-Mail-Programms, zögere, bleibe stehen, zwei, drei Minuten nur, zwei, drei Minuten am offenen Fenster, höre die ersten Takte von DJ Shadows „Midnight In A Perfect World“, langsam, sehr langsam nur wabert die simple Keyboard-Melodie zu meinen Ohren. Habe Sehnsucht, Sehnsucht, nach meinem altmodischen Kalender, ausradiert jene Termine, die verschoben oder aufgehoben wurden, meinem Füller, der kleckst und dessen Feder ein klein wenig zu breit ist, einer Enzyklopädie, mehrbändig, die schwer die Bretter meines Regals belastet und immer, immer, einen Tick zu früh in den Druck geht um jene neue Information, diesen aktuellen Stand der Wissenschaft noch aufnehmen zu können, habe Sehnsucht nach einem Brief, Hand geschrieben, eine wundervolle Momentaufnahme aus der Vergangenheit. Beschließe, den Handheld von meiner Liste zu streichen, meinen in Leder gebundenen Kalender zu hegen und zu pflegen, für immer, und einen Brief zu schreiben, an D., mit Füller. Jetzt peitscht der Beat, schneller, immer schneller wird das Stück, „Mi-mi-mi-mi-Midnight“ stolpert die gescratchte Stimme, „Ping“ meldet mein E-Mail-Programm. Jetzt nicht, denke ich, jetzt suche ich erst mal via Google nach einer anderen Version von „Midnight In A Perfect World“, nach einer, die zu meiner Stimmung passt, fabelhaft.
Beantworte Fragen, löse Aufgabenstellungen, schreibe Mails, gebe Fragen weiter, richtige Aufgaben an Kollegen, die irgendwo da draußen gleich, später, heute, irgendwann ihre E-Mails abrufen werden.
Wähle ein, zwei, drei CDs aus meiner Sammlung, passend zu meiner Stimmung, passend zum Kaltgrau des Tages, lege die erste in den CD-Player, die Fernbedienung immer neben mir, nicht jedes Stück mag ich hören, während ich arbeite, lese, schreibe, google, maile, blogge, flickr-klicke. Praktisch, fabelhaft wäre ein Wechsler, ein CD-Wechsler ähnlich dem, den ich im Auto habe, denke ich als ich die zweite CD einlege, google, finde mehrere Modelle, eines kann bis zu 25 CDs aufnehmen. Praktisch, denke ich. Mache mir auf meiner Wunschliste im Laptop eine Notiz, in Fach-Foren nach Testberichten zu stöbern, um das fabelhafte Gerät zu finden, später, irgendwann. Entdecke eine ältere Notiz, einen Handheld, mit dem man auch telefonieren kann, wollte ich mir anschaffen, um endlich, endlich all meine Adressdaten und Termine überall griffbereit zu haben, sie reibungslos, nahtlos synchronisieren zu können, mit meinem Laptop, meinem Leben. Surfe durchs Netz, stöbere hier und da, schaue ob es zwischenzeitlich neue Geräte gibt, die fabelhaft zu meinen Wünschen passen. „Ping“, eine Frage einer Kollegin ruft mir in Erinnerung, dass da noch ein Auftrag wartet, ein Text, Abgabe morgen.
Beantworte die Mail, recherchiere für den Auftrag, entdecke dabei zufällig einen Shop, der genau das bietet, wonach ich am Wochenende in der Stadt in vier Geschäften vergeblich suchte: „Strumpfhose, Schokobraun, Größe I, Hersteller Y, Modell Z, zweimal bitte!“ – „Vergriffen, bekommen wir nächste Woche wieder rein. Vielleicht.“ Von wegen: vorrätig, versandfertig in 24 Stunden. Praktisch, fabelhaft. Klicke mich durch das Angebot, bestelle. Erinnere mich, dass da noch die neue CD von X ist, die ich in keinem Laden bekam. Finde sie, bestelle sie, wieder ein Haken mehr auf der „Dringend besorgen“-Liste.
Weiter im Text, weiter, immer weiter, die Erinnerung „Abgabe: Text für H.“ blinkt nun im Stunden-Takt auf meinem Bildschirm auf.
Später Nachmittag, nach der dritten Tasse Kaffee will mein Magen mehr, „Ping“, der Rest des Risottos von gestern hat genau die richtige Temperatur, als ich ihn aus der Mikrowelle nehme.
„Ping“, D. schickt mir einen Link zu ihrer aktualisierten Website, lese ihre Gedanken, schaue Bilder ihrer letzten Reise an, freue mich über die Nähe, die wir teilen, Nähe, die wir trotz der 650 Kilometer, die zwischen uns liegen, halten können, weil wir moderne Werkzeuge nutzen, um unseren Gedanken lesbar zu machen, Bildausschnitte aus unseren Leben zugänglich zu machen füreinander, für jedermann.
Lege die Tageszeitung beiseite, rufe stattdessen ein paar News-Seiten auf, suche gezielt nach neuen Meldungen zu den Themen, die mich beschäftigen, maile mit ein, zwei Freunden, noch eine Tasse Kaffee, lasse Luft ins Zimmer, dunkel ist es draußen schon. Wechsle die CD, schaue in den Regen, genieße die Kälte am weit geöffneten Fenster, höre das „Ping“ meines E-Mail-Programms, zögere, bleibe stehen, zwei, drei Minuten nur, zwei, drei Minuten am offenen Fenster, höre die ersten Takte von DJ Shadows „Midnight In A Perfect World“, langsam, sehr langsam nur wabert die simple Keyboard-Melodie zu meinen Ohren. Habe Sehnsucht, Sehnsucht, nach meinem altmodischen Kalender, ausradiert jene Termine, die verschoben oder aufgehoben wurden, meinem Füller, der kleckst und dessen Feder ein klein wenig zu breit ist, einer Enzyklopädie, mehrbändig, die schwer die Bretter meines Regals belastet und immer, immer, einen Tick zu früh in den Druck geht um jene neue Information, diesen aktuellen Stand der Wissenschaft noch aufnehmen zu können, habe Sehnsucht nach einem Brief, Hand geschrieben, eine wundervolle Momentaufnahme aus der Vergangenheit. Beschließe, den Handheld von meiner Liste zu streichen, meinen in Leder gebundenen Kalender zu hegen und zu pflegen, für immer, und einen Brief zu schreiben, an D., mit Füller. Jetzt peitscht der Beat, schneller, immer schneller wird das Stück, „Mi-mi-mi-mi-Midnight“ stolpert die gescratchte Stimme, „Ping“ meldet mein E-Mail-Programm. Jetzt nicht, denke ich, jetzt suche ich erst mal via Google nach einer anderen Version von „Midnight In A Perfect World“, nach einer, die zu meiner Stimmung passt, fabelhaft.


serge souviens
am 28. Nov, 20:58
ich kenne es nur zu gut. eine welt zwischen genuss, freiheit, technikterror und konsum...und der sehnsucht nach altem, wahren und sinnvollem.