Amüsant zu lesen ist der Artikel jedenfalls, gut geschrieben und mit einigem Humor. Das kann mich aber nicht von einigen Widersprüchlichkeiten im Text des oder der selbsternannten Sprach- und Dialektverächters und Oberlehrerin ablenken. Selbstherrlich (selbstdämlich) wird über dialektsprechende Menschen referiert, wie sie seien, wie sie sprächen, welch Gesinnung ihrer eigen wäre. Mit nämlichem Geschick wäre es leicht machbar, dialektgefärbtes Kulturgut in Lied-, Gedicht- oder Bühnenform anzuführen; eine Vorstadtszene (nichts gegen die Vorstadt!) zu zitieren, als wäre ich der bessere Mensch, weil ich mir mein Bier gepflegter parlierend von demselben "Trampel" holen lassen möchte, ist platt. Apropos "platt": nicht gerade solches, aber dennoch norddeutsch dürfte der Schreiber oder die Schreiberin beeinflußt sein, obwohl er oder sie sich redlich bemühte, mir in der Einleitung des satirischen Artikelchens glaubhaft die österreichische Provenienz zu bekunden. Erstens sagt man seit geraumer Zeit in Österreich "mal" statt "einmal", welches im Artikel "mal" vorkommt, aber man sagt es bloß: in der Umgangssprache, nicht in geschriebener Form. Darüberhinaus ist es bundesdeutschen Einflusses und in Österreich in den verschiedenen (ja so verachteten) "Dialekten" in nicht allzu weiter Vergangenheit noch als "einmal", "amoi", "amal" gesagt worden. Zweitens heißt hierzulande der Schanktisch eben Schanktisch, zuweilen Budel, manchmal Theke (im "gehobenen" Österreichisch! ;-) - jedenfalls nur "Neu-Österreichisch" als vom durch das hochgelobte Fernsehen importierten Bundesdeutsch beeinflußten Geplapper "Tresen". Zudem eine Sprache - ich schreibe bewußt Sprache - in einem Land, das mit Minderheiten umzugehen noch immer Schwierigkeiten hat (ich erinnere an den Umgang mit Slowenen, Roms und wenigen Ungarn und Kroaten), mit wieder "mal" einer Protagonistin zu verunglimpfen, und ihr im selben Satz und Atemzug Dummheit zu unterstellen ("Der Schnee war heute sehr aggressiv, aber ..."), ist dümmer als Ihre "Vorarlberger Polizei" erlauben dürfte, Herr/Frau Livian :-)
Wenn Sie meinen, Österriech sei voll von "unverständlichen Dialekten", es steht Ihnen frei, einen davon zu erlernen, vielleicht den nächstliegenden - ich nehme an, Sie kommen aus oder leben in Wien. Ihre Meinung ist zwar in - naja ganz gutem Deutsch abgefasst, ab er der Inhalt richtet sich in Toleranz und Weltoffenheit in etwa nach Ihrem "so geschätzten" Mundl ;-)
Dialekte sind keine Hemmschuhe auf dem Weg zur Bildung, das sind schlechte Lehrer und Motivationsdefizite/faule Schüler. Im Übrigen haben Dialekte sehr oft politsche Hintergründe: warum sie zu solchen geworden und nicht zur Schriftsprache avanciert sind. Ganz allgemein ist jede Schriftsprache ein Dialekt, der sich aufgrund politscher Entscheidungen oder aus politschem und gesellschaftlichem Druck der Bevölkerung über andere Dialekte/Umgangssprachen erheben konnte und ein besseres Mäntelchen anziehen durfte an Stelle des bäuerlichen Barchents (Boachat). Wenn Sie das nicht wissen, ist es ein Defizit Ihrerseits. Dementsprechend auch Ihre Ansicht, Dialekte wären etwas Minderes. Am ehesten sind sie etwas Rudimentäres, Radikales im Wortsinn. Niederländisch ist doch auch nur eine Sprache, weil es einen Staat dazu gibt, der schon einige Jährchen in der Historie auf seinen Buckel gepackt und sich durgesetzt hat, rein sprachlich ist es eher ein deutscher Dialekt, im übrigen mehr als das Alemannische, was die Zugehörigkeit zu mitteldeutschen Dialekten betrifft. Da bin ich auch gleich bei "deutschen Dialekten". Das haben die auch! Auch die zitierte "norddeutsche Brieffreundin" wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit kein Schriftdeutsch "klönen"! Vielleicht Hochdeutsch, denn das hat sich durchgesetzt im Gegensatz zu Niederdeutsch. Es gilt allgemein als gegeben, daß nicht die Norddeutschen - von den Süddeutschen wollen wir ja nicht mehr reden, die ham ja nua ihrn Dialegd - sondern die Deutschen um Köln (nicht die Kölner) die der Schriftsprache ähnlichste Sprache sprechen. Und da kommen die Deutschen und schauen auf die Schweizer und Österreicher als Bauern herunter. Träumt weiter.
Alles Gute in Norddeutschland!
peter
am 4. Apr, 14:38
Wenn Sie meinen, Österriech sei voll von "unverständlichen Dialekten", es steht Ihnen frei, einen davon zu erlernen, vielleicht den nächstliegenden - ich nehme an, Sie kommen aus oder leben in Wien. Ihre Meinung ist zwar in - naja ganz gutem Deutsch abgefasst, ab er der Inhalt richtet sich in Toleranz und Weltoffenheit in etwa nach Ihrem "so geschätzten" Mundl ;-)
Dialekte sind keine Hemmschuhe auf dem Weg zur Bildung, das sind schlechte Lehrer und Motivationsdefizite/faule Schüler. Im Übrigen haben Dialekte sehr oft politsche Hintergründe: warum sie zu solchen geworden und nicht zur Schriftsprache avanciert sind. Ganz allgemein ist jede Schriftsprache ein Dialekt, der sich aufgrund politscher Entscheidungen oder aus politschem und gesellschaftlichem Druck der Bevölkerung über andere Dialekte/Umgangssprachen erheben konnte und ein besseres Mäntelchen anziehen durfte an Stelle des bäuerlichen Barchents (Boachat). Wenn Sie das nicht wissen, ist es ein Defizit Ihrerseits. Dementsprechend auch Ihre Ansicht, Dialekte wären etwas Minderes. Am ehesten sind sie etwas Rudimentäres, Radikales im Wortsinn. Niederländisch ist doch auch nur eine Sprache, weil es einen Staat dazu gibt, der schon einige Jährchen in der Historie auf seinen Buckel gepackt und sich durgesetzt hat, rein sprachlich ist es eher ein deutscher Dialekt, im übrigen mehr als das Alemannische, was die Zugehörigkeit zu mitteldeutschen Dialekten betrifft. Da bin ich auch gleich bei "deutschen Dialekten". Das haben die auch! Auch die zitierte "norddeutsche Brieffreundin" wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit kein Schriftdeutsch "klönen"! Vielleicht Hochdeutsch, denn das hat sich durchgesetzt im Gegensatz zu Niederdeutsch. Es gilt allgemein als gegeben, daß nicht die Norddeutschen - von den Süddeutschen wollen wir ja nicht mehr reden, die ham ja nua ihrn Dialegd - sondern die Deutschen um Köln (nicht die Kölner) die der Schriftsprache ähnlichste Sprache sprechen. Und da kommen die Deutschen und schauen auf die Schweizer und Österreicher als Bauern herunter. Träumt weiter.
Alles Gute in Norddeutschland!