
Mix it, baby.
von Melanie Müller
Die Zeiten, in denen Kunstwerke klar in eine Kategorie einzuordnen waren, sind weitestgehend vorbei. Ob Videoperformance, Tanztheater oder Netzliteratur – die Grenzen zwischen den Kunstsparten verschwimmen zunehmend; zugunsten eines originelleren, persönlichen Ausdrucks.
Interdisziplinarität ist auf dem Felde der Kunst und Kultur nicht mehr wegzudenken. Wie auch – ein eingeengter Blickwinkel oder Schubladendenken bedeutet für jede Kunst den sicheren Tod (oder zumindest Tiefschlaf). Wer also die Augen aufmacht und das, was er sieht adequat verarbeiten möchte, der sucht nach einem möglichst angemessenen Ausdrucksmittel und kann dabei heute aus mehr Möglichkeiten wählen als je zuvor. Kunstformen und – mittel vermischen und ergänzen sich. Die Freiheit, sich auszudrücken ist größer geworden.
Nehmen wir einmal das Theater. Viele zeitgenössische Inszenierungen arbeiten mit Video (z.B. Frank Castorf, Falk Richter, Gob Squad) oder Projektionen (z.B. Igor Bauersima) und fügen so der Bühne eine weitere Dimension hinzu, die die Möglichkeiten des Theaters massiv erweitert. Theater und Film – ehemals Konkurrenten – sind näher zusammengerückt, ergänzen sich positiv. Und viele Protagonisten der Kulturbranche wechseln mühelos von hier nach da – und wieder zurück (z.B. Christoph Schlingensief).
Ein positiver Effekt der unbegrenzten Möglichkeiten scheint zu sein, dass Inhalte wieder in den Vordergrund gerückt sind. Zwar steht (post)moderne Kunst meist für sich, eindeutige Botschaften werden eher verweigert, doch es gibt immer ein Thema, eine Idee - und diesem Gedanken ordnet sich die Form unter, das Medium beugt sich der Botschaft. Ziel ist nicht mehr, die Meisterschaft in einer Kunstform, sondern der möglichst präzise Ausdruck. Und dafür kann man immer gerade die Form wählen, die dem Thema am angemessensten erscheint. Das mag zwar die Bedeutung von Kunst – im Sinne von „Können“ – erschüttern, ermöglicht aber maximale Kreativität.
Auch wenn man die Museums- und Festivallandschaft beobachtet, kann man zu diesem Schluss kommen. In Themenausstellungen wird die Bandbreite der gezeigten Objekte immer größer und viele Festivals reduzieren sich nicht mehr auf eine Kunstsparte, sondern öffnen sich mit einem Überthema allen möglichen Formen. Besonders gut sichtbar etwa derzeit beim Steirischen Herbst, wo szenische und bildende Kunst, Musik und Architektur, Film und Literatur, aber auch Diskurs und Party zueinander finden. Alles unter dem Thema „Stadt“. Diesem Thema – wie so vielem - kann man auch nur so gerecht werden: indem man es von möglichst vielen Seiten beleuchtet. Und das klingt spannender als schon wieder irgendsoein Festival, bei dem es alles aus einer Sparte gibt – aber eben keinen roten Faden.
Aber nicht nur die Grenzen zwischen den Künsten verschwimmen, auch die Sphären der Hochkultur und des Trivialen. Kunst, die sich nicht als museal versteht, muss ihre Kampfzonen erweitern – hinein ins Leben der Menschen. Das hat man z.B. beim Donaufestival in Krems bzw. Korneuburg erkannt und in diesem Jahr ein hervorragendes Programm gestaltet, das sich mit Literatur, Theater, Architektur gleichermaßen auseinandergesetzt hat wie mit Videoclips, Soap Operas und Punkrock. So kann Kunst Menschen wieder erreichen – indem sie mit ihrem Leben etwas zu tun hat. Wenn sie auf einem Sockel steht, kann sie das nicht.
Für die Kunst – und nicht nur für sie - bedeutet die Auflösung von alten Grenzen und die Durchmischung der Formen also vor allem eine Bereicherung. Sie ermöglicht uns, unserer Kreativität noch mehr Spielraum zu geben, Gedanken präziser auszudrücken und kulturelle Diskurse auf eine neue Ebene zu bringen. Damit Kunst auch weiterhin leisten kann, was sie leisten soll.
Interdisziplinarität ist auf dem Felde der Kunst und Kultur nicht mehr wegzudenken. Wie auch – ein eingeengter Blickwinkel oder Schubladendenken bedeutet für jede Kunst den sicheren Tod (oder zumindest Tiefschlaf). Wer also die Augen aufmacht und das, was er sieht adequat verarbeiten möchte, der sucht nach einem möglichst angemessenen Ausdrucksmittel und kann dabei heute aus mehr Möglichkeiten wählen als je zuvor. Kunstformen und – mittel vermischen und ergänzen sich. Die Freiheit, sich auszudrücken ist größer geworden.
Nehmen wir einmal das Theater. Viele zeitgenössische Inszenierungen arbeiten mit Video (z.B. Frank Castorf, Falk Richter, Gob Squad) oder Projektionen (z.B. Igor Bauersima) und fügen so der Bühne eine weitere Dimension hinzu, die die Möglichkeiten des Theaters massiv erweitert. Theater und Film – ehemals Konkurrenten – sind näher zusammengerückt, ergänzen sich positiv. Und viele Protagonisten der Kulturbranche wechseln mühelos von hier nach da – und wieder zurück (z.B. Christoph Schlingensief).
Ein positiver Effekt der unbegrenzten Möglichkeiten scheint zu sein, dass Inhalte wieder in den Vordergrund gerückt sind. Zwar steht (post)moderne Kunst meist für sich, eindeutige Botschaften werden eher verweigert, doch es gibt immer ein Thema, eine Idee - und diesem Gedanken ordnet sich die Form unter, das Medium beugt sich der Botschaft. Ziel ist nicht mehr, die Meisterschaft in einer Kunstform, sondern der möglichst präzise Ausdruck. Und dafür kann man immer gerade die Form wählen, die dem Thema am angemessensten erscheint. Das mag zwar die Bedeutung von Kunst – im Sinne von „Können“ – erschüttern, ermöglicht aber maximale Kreativität.
Auch wenn man die Museums- und Festivallandschaft beobachtet, kann man zu diesem Schluss kommen. In Themenausstellungen wird die Bandbreite der gezeigten Objekte immer größer und viele Festivals reduzieren sich nicht mehr auf eine Kunstsparte, sondern öffnen sich mit einem Überthema allen möglichen Formen. Besonders gut sichtbar etwa derzeit beim Steirischen Herbst, wo szenische und bildende Kunst, Musik und Architektur, Film und Literatur, aber auch Diskurs und Party zueinander finden. Alles unter dem Thema „Stadt“. Diesem Thema – wie so vielem - kann man auch nur so gerecht werden: indem man es von möglichst vielen Seiten beleuchtet. Und das klingt spannender als schon wieder irgendsoein Festival, bei dem es alles aus einer Sparte gibt – aber eben keinen roten Faden.
Aber nicht nur die Grenzen zwischen den Künsten verschwimmen, auch die Sphären der Hochkultur und des Trivialen. Kunst, die sich nicht als museal versteht, muss ihre Kampfzonen erweitern – hinein ins Leben der Menschen. Das hat man z.B. beim Donaufestival in Krems bzw. Korneuburg erkannt und in diesem Jahr ein hervorragendes Programm gestaltet, das sich mit Literatur, Theater, Architektur gleichermaßen auseinandergesetzt hat wie mit Videoclips, Soap Operas und Punkrock. So kann Kunst Menschen wieder erreichen – indem sie mit ihrem Leben etwas zu tun hat. Wenn sie auf einem Sockel steht, kann sie das nicht.
Für die Kunst – und nicht nur für sie - bedeutet die Auflösung von alten Grenzen und die Durchmischung der Formen also vor allem eine Bereicherung. Sie ermöglicht uns, unserer Kreativität noch mehr Spielraum zu geben, Gedanken präziser auszudrücken und kulturelle Diskurse auf eine neue Ebene zu bringen. Damit Kunst auch weiterhin leisten kann, was sie leisten soll.


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am 29. Mai, 05:20