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In praise of slowness

von Johnny Bravo
Manchmal kann man ruhig ein wenig langsamer sein. Zum Beispiel wenn es um die Entdeckung des Buches "In Praise of Slowness" von Carl Honoré geht. Ein kanadischer Autor, der in einem typisch amerikanischen Buch über die Wiederentdeckung der Langsamkeit schreibt. Es ist also schon Herbst 2005, trotzdem eine Buchkritik.

Das Buch ist in Amerika bereits 2004 erschienen, die deutsche Variante "Slow Life" folgte auf dem Fuße. Warum auch nicht. Sowohl die ständige steigende Lebensgeschwindigkeit als auch die Gegenbewegung die Honoré in seinem Buch beschwört, sind globale Phänomene. Er schreibt als Therapie (ein Blogger?), beschreibt seinen Weg um die Welt auf den Spuren der Langsamkeit (ein Reiseblogger?) und schreibt die Veränderung herbei (definitiv ein Blogger).

Wer öfter amerikanische Bücher unter die Finger bekommt, wird ihn schnell mögen, den schnellen, flapsigen, federleichten Erzählstil, der eher von Erlebnis zu Erlebnis mäandert als sich konkret mit Fakten auseinander zu setzen. Man kann ihn mit dem Autor erleben, den lauen Sommerabend in einem italienischen Restaurant, erfüllt von Langsamkeit, fernab von Hektik.

Ob daraus gleich eine weltweite Bewegung wird, so wie Honoré vermutet? Natürlich darf auch der "Verein zur Verzögerung der Zeit" nicht fehlen (eine Klagenfurter Schöpfung, jetzt in Deutschland beheimatet), natürlich nicht allerlei Legenden rund um die Eigenzeit, die Urvölker und den Gewinn an Lebensqualität durch Verlangsamung. Ein unerschöpflicher Schatz an Geschichten, die sich in diversen Abendkonversationen, Lebensberatungssitzungen und Zeitmanagementseminaren sicher gut verwerten lassen. Und letztlich ein Appell an das Selbst, sich mit der eigenen Einstellung zu vielen Dingen zu beschäftigen. Allerdings oft wirkungslos. Vermutlich weil man es nicht in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit lesen sollte.

Alles in Allem ein schönes Buch, voll von detaillierten Beobachtungen, wie es für eine Therapie vermutlich notwendig ist. Gott sei Dank kein Ratgeber, denn was könnte man mehr gebrauchen als den Stress den Maßnahmen notgedrungen auslösen. Ob die weltweite Bewegung allerdings Realität ist, kann man durchaus bezweifeln. Auf jeden Fall machen die Erzählungen Lust auf mehr, mehr Zeit, gutes Essen, Langsamkeit. Und Lust ist ja für ein Buch etwas prinzipiell Gutes.
Buchrezension von "In praise of Slowness" von Carl Honoré.
In praise of slowness, Carl Honoré
mindestens haltbar 10/2005
Jahrgang 01
Ausgabe 02
ISSN 1816-8159
Autor: Johnny Bravo
Titel: In praise of slowness
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