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Bis der Groschen fällt...

von wasweissich
Vor dem Reichstag wartete wie immer eine Schlange von Besuchern auf Einlass in den Fahrstuhl zur Glaskuppel. Ich hörte eine Mutter sagen: "Ich glaube, da liegt ein Pfennig auf der Erde." Ihre Tochter, schätzungsweise vielleicht drei Jahre alt, sah sie mit großen Augen an und fragte neugierig: "Mama, was ist denn ein Pfennig?"

Spontane Äußerungen sind eine starke Bastion und Veränderungen vielleicht erst abgeschlossen, wenn sie die intuitive Sprachwahl erobert haben. Schließlich hätte die Mutter genauso gut ausrufen können: "Ich glaube, da liegt ein Cent auf der Erde." Die Mutter muss dem kleinen Mädchen geradezu antiquiert erscheinen, wenn sie ihr erklärt, dass es früher eine andere Währung gab, deren kleinste Einheit Pfennig hieß. Genau so, nicht im Alltag gebräuchlich, aber in weitergetragener Erinnerung archiviert, werden sich die Wörter der alten Währung erhalten. Wie wir eben heute noch verstehen können, was das heißt: "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert." Nur dass der Pfennig dem Taler schon für dieses kleine Mädchen an historischem Mysteriumscharakter in nichts nachstehen wird.

Das alles bringt mich zu dem von mir so gemochten Begriff Groschen, den es auch nicht mehr geben wird. Ein 10 Cent Stück ist in Relation zu den anderen neuen Münzen so klein, schmal, leicht und unscheinbar, dazu passt die Bezeichnung Groschen nicht. Und ein 50 Cent Stück zum Groschen zu deklarieren, nur weil es haptisch und innerhalb des Münzengefüges vielleicht dem alten Groschen am nächsten ist, das funktioniert wohl auch nicht. Gerne hätte ich, dass das schöne Wort Groschen uns lebendig erhalten bleibt. Aber daraus wird wohl leider nichts, wenn man bedenkt, wie altertümlich einem heute schon Brechts Titel "Die Dreigroschenoper" vorkommt.
Ist die "Dreigroschenoper" seit Einführung von Euro und Cents ein verstaubtes Relikt aus Urzeiten?
mindestens haltbar 10/2005
Jahrgang 01
Ausgabe 02
ISSN 1816-8159
Autor: wasweissich
Titel: Bis der Groschen fällt...
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am 14. Okt, 16:47

Sehr spaßig anzusehen übrigens: Pictures of Pennies.


am 18. Okt, 14:33

ich vermisse sie auch - die alten münzen. ich will ja nicht von den guten alten zeiten anfangen... aber fand ich sie schon hübsch, die schillinge. und ja, ich habe gerne die mühe auf mich genommen, geld zu wechseln bevor ich grenzen passierte... das "andere" geld kam einem dann immer irgendwie vor wie spielzeuggeld und wurde dementsprechend rausgeworfen - ganz ohne schlechtes gewissen, denn man wusste es ja nicht besser.

konsequent - aber gesinnungstechnisch nicht ganz unbedenklich -finde ich da die haltung des zigarettenautomaten bei mir um die ecke: der nimmt alles, nur keine griechischen münzen. die verweigert er beharrlich, wie man in der kneipe direkt daneben schon aus leidlicher erfahrung weiß. aber der nette kellner wechselt die münzen immer noch...