
Bis der Groschen fällt...
Spontane Äußerungen sind eine starke Bastion und Veränderungen vielleicht erst abgeschlossen, wenn sie die intuitive Sprachwahl erobert haben. Schließlich hätte die Mutter genauso gut ausrufen können: "Ich glaube, da liegt ein Cent auf der Erde." Die Mutter muss dem kleinen Mädchen geradezu antiquiert erscheinen, wenn sie ihr erklärt, dass es früher eine andere Währung gab, deren kleinste Einheit Pfennig hieß. Genau so, nicht im Alltag gebräuchlich, aber in weitergetragener Erinnerung archiviert, werden sich die Wörter der alten Währung erhalten. Wie wir eben heute noch verstehen können, was das heißt: "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert." Nur dass der Pfennig dem Taler schon für dieses kleine Mädchen an historischem Mysteriumscharakter in nichts nachstehen wird.
Das alles bringt mich zu dem von mir so gemochten Begriff Groschen, den es auch nicht mehr geben wird. Ein 10 Cent Stück ist in Relation zu den anderen neuen Münzen so klein, schmal, leicht und unscheinbar, dazu passt die Bezeichnung Groschen nicht. Und ein 50 Cent Stück zum Groschen zu deklarieren, nur weil es haptisch und innerhalb des Münzengefüges vielleicht dem alten Groschen am nächsten ist, das funktioniert wohl auch nicht. Gerne hätte ich, dass das schöne Wort Groschen uns lebendig erhalten bleibt. Aber daraus wird wohl leider nichts, wenn man bedenkt, wie altertümlich einem heute schon Brechts Titel "Die Dreigroschenoper" vorkommt.


twoday.net:wasweissich
am 14. Okt, 16:47