
Super Pursuit Mode
von smi
K. sagt "früher war alles besser". Früher hätte man sich nicht so hetzen müssen, hätte mehr Zeit gehabt, früher, da wäre das Leben "beschaulicher" gewesen. K. sagt, jetzt gäbe es diese Beschaulichkeit nicht mehr. Irgendwann soll Schopenhauer gesagt haben "Man kann zwar tun was man will, aber nicht wollen was man will". Heute müsste es eigentlich heißen "Man muß tun was man kann, egal ob man will oder nicht". Es ist ein ständiges Aufbrechen, von einem Ort zum Anderen, von einer Tätigkeit zur Anderen. Ständig in Bewegung, kaum Ruhe, kein Stillstand. Über Jahrhunderte haben wir unser gesellschaftliches Leben immer mehr beschleunigt.
Zeit ist knapp, keine Frage. 24 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche, 52 Wochen, jedes Jahr. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt zwar ständig, das menschliche Kernproblem löst das aber nicht. Unser Leben ist endlich, "diskret" wie Mathematiker sagen würden, eben nicht "stetig".
Und die Zeit ist ein kostbares Gut. Wer sie "spart" der "hat", kann leichtfertig "schenken" und "geben", wird sie sich "nehmen" und sie wird ihm "gestohlen" werden. Es gibt eben ein "Zeitbudget". Nur mit dem Unterschied, dass Steuererhöhungen nicht mehr Zeit bringen. K. sagt, für sie sei die Zeit mehr wie ein Kreislauf, eine immerwährende Folge wiederkehrender Dinge, ein Kommen und Gehen ohne Anfang und Ende.
Das ist ungewöhnlich. Nur einige Naturvölker sehen die Zeit noch so. Zyklisch anstatt linear. Wer, wie wir, der Ansicht ist, Zeit sei knapp, versteht sie linear. Die Physik unterstützt freilich das lineare Zeitbild, in einem der fundamentalen Gesetze, dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik. Wikipedia sagt:
"dass es eine extensive Zustandsgröße Entropie S gibt, die in einem abgeschlossenen System niemals abnimmt".
Was das bedeutet? Nun, Wikipedia sagt, "Die statistische Interpretation des Zweiten Hauptsatzes ist: ein abgeschlossenes System, sich selbst überlassen, wird immer den Zustand größter Unordnung anstreben." Das Chaos nimmt also immer mehr zu. Aber wenn es, neben der physikalischen Erklärung, verschiedene Zeitverständnisse geben kann, was ist die Zeit dann? Ein Gesetz? Ein Zustand? Sie ist vielmehr eine Abmachung. Ein Axiom. Genauso wie 1 + 1 = 2. Wir haben uns darauf geeinigt. Womit die Physik wohl definitiv recht hat ist, dass wir in einer sequentiellen Welt leben. Wir können einen Ablauf der Dinge ausmachen, würden wir das nicht akzeptieren hätten wir wohl einige Hürden zu überwinden. Man kann nunmal das Frühstücksei nicht essen, bevor es geschält ist, ins Auto einsteigen bevor die Tür geöffnet wurde oder seine Mails abrufen wenn der Computer noch nicht mal eingeschalten ist.
Ist doch klar, immer Eines nach dem Anderen, Schritt für Schritt. Obwohl wir mit dieser Sequenzialität gut umgehen können, so bringt sie doch gravierende Nachteile mit sich. Wir müssen uns damit abfinden Dinge aufzugeben. Hinter uns zu lassen. Und wir müssen geduldig auf jene Ereignisse warten, die da noch kommen mögen. Wir fragen nach dem Anfang und denken an das Ende. Wer zyklisch denkt, dem sind solche Fragen egal, denn jeder Punkt ist gleichzeitig Anfang und Ende. Alles was kommt, war schon da und alles was da war, wird wieder kommen. Das macht es einfach im "Jetzt" zu leben, unsere lineare Vorstellung hingegen ist ein ständiges "Vorbei" an Momenten, Gedanken und Gelegenheiten. Das ständige Gefühl etwas zu verpassen oder zu verlassen. Weil es, kaum ist es da, auch schon wieder weg ist.
Dieses Gefühl macht uns leer und unzufrieden. Wir versuchen es manchmal durch ein mehr an Geschwindigkeit auszugleichen, zu beschleunigen, um den Moment des Abschieds so kurz als möglich werden zu lassen. Doch sind nicht manche Momente kurz und dennoch unendlich lang? Wir haben zwar eine objektive Zeit erfunden, eine Zeit die gemessen und bestimmt wird, so genau, dass 260 Atomuhren weltweit dafür herhalten müssen. Schon im frühesten Kindesalter bekommen wir das Gefühl für die Zeit beigebracht. Doch es trügt. K. sagt, ihr käme jetzt alles viel kürzer vor, die Zeit würde schneller vergehen. Studien haben bewiesen, dass wir mit zunehmendem Alter tatsächlich den Eindruck haben, die Zeit vergehe schneller. Weil wir noch immer ein subjektives Zeitgefühl haben. Und das ist relativ. Nicht jeder Moment ist gleich lang und wir messen die Zeit relativ zu unserem eigenen Lebensalter. "Tausend Jahre, sind ein Tag". Danke, Udo.
Wir haben die Zeit erfunden um uns zu entwickeln. Um unseren Horizont zu erweitern. Schon paradox. Es bedarf der Disziplin und Einschränkung um ein sensibles Gefüge von Abhängigkeiten zu schaffen, welches in einer agrarischen Gesellschaft nicht notwendig und damit gleichzeitig deren größter Hemmschuh war. Oder haben wir die Zeit entwickelt weil wir genau jenes Gefüge schaffen mussten um zu wachsen? Vermutlich von beidem ein wenig.
In einer arbeitsteiligen Welt muss jeder Mensch "funktionieren" um das Gesamtsystem nicht zu gefährden. Pünktlichkeit zählt erst seit dem Industriezeitalter zu einer erstrebenswerten Tugend, nur so kann "Maschine" produzieren. Moderne Zeiten eben. Egal ob Taylorismus oder Bentham's Panopticon, kontrollierte Menschen bringen kontrollierten Output. Zeit ist auch Macht. Wer andere warten lassen kann, wer die Macht hat über die Zeit anderer zur verfügen, der hat Macht.
Genau vor 175 Jahren, am 15. September 1830 beginnt das Zeitalter der Eisenbahn, mit Eröffnung der Strecke Liverpool-Manchester. Und mit der Eisenbahn beginnt auch das Zeitalter der Zeit. Genau genommen der Weltzeit. Die Möglichkeit größere Entfernungen schneller überwinden zu können, macht es notwendig sich zu einigen. Wieder eine Abmachung. Aus den verschiedensten Lokalzeiten werden auf großen Konferenzen Zeitzonen geschaffen. Und alle halten sich daran. Alle? Fast alle, ein kleines Dorf in ..... fast. Manche Länder interpretieren Zeitzonen sehr individuell. Nepal hat aus Abgrenzungsgründen zu Indien beschlossen, exakt 5:45 zur UTC zu addieren. Eine Viertelstunde mehr als eben der große Nachbar.
Zeit ist künstlich und allgegenwärtig. Sei es in unserer Sprache, in unserem Lebensalltag, unserer Gesellschaft, unserer Kunst und Kultur. Hunderte Bücher und Filme über Zeitreisen, Zeitschleifen, Zeitverschiebungen oder Raum und Zeit. K. sagt "keiner hat sie, jeder will sie, alle reden drüber und am Ende kommt nichts raus". In der Tat. Die Zeit vergeht und wir fühlen uns als hätten wir trotzdem nichts vollbracht. K. sagt "ich möchte Tischler sein und jeden Abend ein Stück Holz in mein Haus tragen. Dann möchte ich es ansehen, den ganzen Abend und denken 'das hast du heute geschaffen'. Ich möchte wieder erschaffen, möchte Zeit haben etwas zu bewegen".
Etwas bewegen. Schöner Gedanke. Doch wie? Und vor allem wann? Wirft man einen schnellen Blick in die Magazine und Zeitungen, vielleicht beim Frisör, beim Arzt oder im Café, stellt man fest: Langsamkeit kommt. Als Thema. Dabei geht es genauso um die bewußte Auswahl von Alternativen. Handy an oder aus? Festnetz statt Handy? Berghütte statt Ballermann? Chill-Out statt Party-On? Spa statt Spaß?
Wir haben längst der Technik die Rolle zugewiesen uns mehr Zeit zu verschaffen, zu beschleunigen, quasi Super Pursuit Mode. Information, Kommunikation, Kapitulation. Wer verspürt nicht manchmal eine "Kommunikationsaversion" mit militanten Folgen, den "Information Overload" in der Email Inbox oder die Hoffnungslosigkeit beim Lesen der Zeit. Ja wir sind "Overnewsed" und "Oversexed".
Wie werden wir in der Zukunft leben? Wofür oder wogegen werden wir uns entscheiden oder entscheiden müssen? Wie werden wir lernen und arbeiten? Welche Technik wird uns das Leben erleichtern? In welcher Form und mit welchen Mittel werden wir kommunizieren und uns informieren? Wie wichtig wird uns Mobilität sein? Werden virtuelle Netzwerke das soziale Gefüge der Familie verändern?
Auch Siemens hat sich auf die Suche nach Antworten gemacht und das Leben von morgen im Kommunikationsszenario Horizons2020 untersuchen zu lassen. Das Ergebnis sind zwei Szenarien für das Jahr 2020, beide mehr als zutreffend.
Horizon1 könnte als "Wiederentdeckung der Langsamkeit" bezeichnet werden. Eine Abkehr vom ständigen "bigger, better, faster, more!", Linda Perry in allen Ehren. Der Mensch suche ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit, diesmal aber wirklich. Zeit für das Ego und die Familie, bewußt unerreichbar, bewußt Festnetz, bewußt Berghütte. Horizon2 skizziert eher ein mehr vom selben, ein dynamisches, von Wettbewerb und Entwicklung geprägtes Bild.
K. sagt "ich versuche wieder zuzuhören. Den Menschen rund um mich und auch mir selbst. Ich höre auf meine Uhr." K. ist ein wenig New-Age Esoterik gewöhnt, aber hat prinzipiell Recht. Die Eigenzeit, das eigene Zeitempfinden, die eigene Geschwindigkeit, das subjektive Zeitgefühl sind Fähigkeiten und Instrumentarien die wir längst verlernt haben. Dabei wären sie wichtiger denn je. Essen wenn man hungrig ist. Zu Bett gehen wenn man müde ist. An manchen Tagen bis spät Nachts arbeiten, weil man energiegeladen und leistungsfähig ist und an anderen Tagen stundenlang im Café sitzen, weil man sich zu gar keiner Tätigkeit motivieren kann, nicht mal zur Bestellung.
Oder ist die Zeit etwa ein Monster, ein postmoderner Leviathan, Instrument des bösen mit dem wir in einem ständigen Kampf stehen? Können wir so ein Monster überhaupt besiegen? Natürlich. K.I.T.T. konnte K.A.R.R. besiegen. K. sagt: "da hast du Recht".
Zeit ist knapp, keine Frage. 24 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche, 52 Wochen, jedes Jahr. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt zwar ständig, das menschliche Kernproblem löst das aber nicht. Unser Leben ist endlich, "diskret" wie Mathematiker sagen würden, eben nicht "stetig".
Und die Zeit ist ein kostbares Gut. Wer sie "spart" der "hat", kann leichtfertig "schenken" und "geben", wird sie sich "nehmen" und sie wird ihm "gestohlen" werden. Es gibt eben ein "Zeitbudget". Nur mit dem Unterschied, dass Steuererhöhungen nicht mehr Zeit bringen. K. sagt, für sie sei die Zeit mehr wie ein Kreislauf, eine immerwährende Folge wiederkehrender Dinge, ein Kommen und Gehen ohne Anfang und Ende.
Das ist ungewöhnlich. Nur einige Naturvölker sehen die Zeit noch so. Zyklisch anstatt linear. Wer, wie wir, der Ansicht ist, Zeit sei knapp, versteht sie linear. Die Physik unterstützt freilich das lineare Zeitbild, in einem der fundamentalen Gesetze, dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik. Wikipedia sagt:
"dass es eine extensive Zustandsgröße Entropie S gibt, die in einem abgeschlossenen System niemals abnimmt".
Was das bedeutet? Nun, Wikipedia sagt, "Die statistische Interpretation des Zweiten Hauptsatzes ist: ein abgeschlossenes System, sich selbst überlassen, wird immer den Zustand größter Unordnung anstreben." Das Chaos nimmt also immer mehr zu. Aber wenn es, neben der physikalischen Erklärung, verschiedene Zeitverständnisse geben kann, was ist die Zeit dann? Ein Gesetz? Ein Zustand? Sie ist vielmehr eine Abmachung. Ein Axiom. Genauso wie 1 + 1 = 2. Wir haben uns darauf geeinigt. Womit die Physik wohl definitiv recht hat ist, dass wir in einer sequentiellen Welt leben. Wir können einen Ablauf der Dinge ausmachen, würden wir das nicht akzeptieren hätten wir wohl einige Hürden zu überwinden. Man kann nunmal das Frühstücksei nicht essen, bevor es geschält ist, ins Auto einsteigen bevor die Tür geöffnet wurde oder seine Mails abrufen wenn der Computer noch nicht mal eingeschalten ist.
Ist doch klar, immer Eines nach dem Anderen, Schritt für Schritt. Obwohl wir mit dieser Sequenzialität gut umgehen können, so bringt sie doch gravierende Nachteile mit sich. Wir müssen uns damit abfinden Dinge aufzugeben. Hinter uns zu lassen. Und wir müssen geduldig auf jene Ereignisse warten, die da noch kommen mögen. Wir fragen nach dem Anfang und denken an das Ende. Wer zyklisch denkt, dem sind solche Fragen egal, denn jeder Punkt ist gleichzeitig Anfang und Ende. Alles was kommt, war schon da und alles was da war, wird wieder kommen. Das macht es einfach im "Jetzt" zu leben, unsere lineare Vorstellung hingegen ist ein ständiges "Vorbei" an Momenten, Gedanken und Gelegenheiten. Das ständige Gefühl etwas zu verpassen oder zu verlassen. Weil es, kaum ist es da, auch schon wieder weg ist.
Dieses Gefühl macht uns leer und unzufrieden. Wir versuchen es manchmal durch ein mehr an Geschwindigkeit auszugleichen, zu beschleunigen, um den Moment des Abschieds so kurz als möglich werden zu lassen. Doch sind nicht manche Momente kurz und dennoch unendlich lang? Wir haben zwar eine objektive Zeit erfunden, eine Zeit die gemessen und bestimmt wird, so genau, dass 260 Atomuhren weltweit dafür herhalten müssen. Schon im frühesten Kindesalter bekommen wir das Gefühl für die Zeit beigebracht. Doch es trügt. K. sagt, ihr käme jetzt alles viel kürzer vor, die Zeit würde schneller vergehen. Studien haben bewiesen, dass wir mit zunehmendem Alter tatsächlich den Eindruck haben, die Zeit vergehe schneller. Weil wir noch immer ein subjektives Zeitgefühl haben. Und das ist relativ. Nicht jeder Moment ist gleich lang und wir messen die Zeit relativ zu unserem eigenen Lebensalter. "Tausend Jahre, sind ein Tag". Danke, Udo.
Wir haben die Zeit erfunden um uns zu entwickeln. Um unseren Horizont zu erweitern. Schon paradox. Es bedarf der Disziplin und Einschränkung um ein sensibles Gefüge von Abhängigkeiten zu schaffen, welches in einer agrarischen Gesellschaft nicht notwendig und damit gleichzeitig deren größter Hemmschuh war. Oder haben wir die Zeit entwickelt weil wir genau jenes Gefüge schaffen mussten um zu wachsen? Vermutlich von beidem ein wenig.
In einer arbeitsteiligen Welt muss jeder Mensch "funktionieren" um das Gesamtsystem nicht zu gefährden. Pünktlichkeit zählt erst seit dem Industriezeitalter zu einer erstrebenswerten Tugend, nur so kann "Maschine" produzieren. Moderne Zeiten eben. Egal ob Taylorismus oder Bentham's Panopticon, kontrollierte Menschen bringen kontrollierten Output. Zeit ist auch Macht. Wer andere warten lassen kann, wer die Macht hat über die Zeit anderer zur verfügen, der hat Macht.
Genau vor 175 Jahren, am 15. September 1830 beginnt das Zeitalter der Eisenbahn, mit Eröffnung der Strecke Liverpool-Manchester. Und mit der Eisenbahn beginnt auch das Zeitalter der Zeit. Genau genommen der Weltzeit. Die Möglichkeit größere Entfernungen schneller überwinden zu können, macht es notwendig sich zu einigen. Wieder eine Abmachung. Aus den verschiedensten Lokalzeiten werden auf großen Konferenzen Zeitzonen geschaffen. Und alle halten sich daran. Alle? Fast alle, ein kleines Dorf in ..... fast. Manche Länder interpretieren Zeitzonen sehr individuell. Nepal hat aus Abgrenzungsgründen zu Indien beschlossen, exakt 5:45 zur UTC zu addieren. Eine Viertelstunde mehr als eben der große Nachbar.
Zeit ist künstlich und allgegenwärtig. Sei es in unserer Sprache, in unserem Lebensalltag, unserer Gesellschaft, unserer Kunst und Kultur. Hunderte Bücher und Filme über Zeitreisen, Zeitschleifen, Zeitverschiebungen oder Raum und Zeit. K. sagt "keiner hat sie, jeder will sie, alle reden drüber und am Ende kommt nichts raus". In der Tat. Die Zeit vergeht und wir fühlen uns als hätten wir trotzdem nichts vollbracht. K. sagt "ich möchte Tischler sein und jeden Abend ein Stück Holz in mein Haus tragen. Dann möchte ich es ansehen, den ganzen Abend und denken 'das hast du heute geschaffen'. Ich möchte wieder erschaffen, möchte Zeit haben etwas zu bewegen".
Etwas bewegen. Schöner Gedanke. Doch wie? Und vor allem wann? Wirft man einen schnellen Blick in die Magazine und Zeitungen, vielleicht beim Frisör, beim Arzt oder im Café, stellt man fest: Langsamkeit kommt. Als Thema. Dabei geht es genauso um die bewußte Auswahl von Alternativen. Handy an oder aus? Festnetz statt Handy? Berghütte statt Ballermann? Chill-Out statt Party-On? Spa statt Spaß?
Wir haben längst der Technik die Rolle zugewiesen uns mehr Zeit zu verschaffen, zu beschleunigen, quasi Super Pursuit Mode. Information, Kommunikation, Kapitulation. Wer verspürt nicht manchmal eine "Kommunikationsaversion" mit militanten Folgen, den "Information Overload" in der Email Inbox oder die Hoffnungslosigkeit beim Lesen der Zeit. Ja wir sind "Overnewsed" und "Oversexed".
Wie werden wir in der Zukunft leben? Wofür oder wogegen werden wir uns entscheiden oder entscheiden müssen? Wie werden wir lernen und arbeiten? Welche Technik wird uns das Leben erleichtern? In welcher Form und mit welchen Mittel werden wir kommunizieren und uns informieren? Wie wichtig wird uns Mobilität sein? Werden virtuelle Netzwerke das soziale Gefüge der Familie verändern?
Auch Siemens hat sich auf die Suche nach Antworten gemacht und das Leben von morgen im Kommunikationsszenario Horizons2020 untersuchen zu lassen. Das Ergebnis sind zwei Szenarien für das Jahr 2020, beide mehr als zutreffend.
Horizon1 könnte als "Wiederentdeckung der Langsamkeit" bezeichnet werden. Eine Abkehr vom ständigen "bigger, better, faster, more!", Linda Perry in allen Ehren. Der Mensch suche ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit, diesmal aber wirklich. Zeit für das Ego und die Familie, bewußt unerreichbar, bewußt Festnetz, bewußt Berghütte. Horizon2 skizziert eher ein mehr vom selben, ein dynamisches, von Wettbewerb und Entwicklung geprägtes Bild.
K. sagt "ich versuche wieder zuzuhören. Den Menschen rund um mich und auch mir selbst. Ich höre auf meine Uhr." K. ist ein wenig New-Age Esoterik gewöhnt, aber hat prinzipiell Recht. Die Eigenzeit, das eigene Zeitempfinden, die eigene Geschwindigkeit, das subjektive Zeitgefühl sind Fähigkeiten und Instrumentarien die wir längst verlernt haben. Dabei wären sie wichtiger denn je. Essen wenn man hungrig ist. Zu Bett gehen wenn man müde ist. An manchen Tagen bis spät Nachts arbeiten, weil man energiegeladen und leistungsfähig ist und an anderen Tagen stundenlang im Café sitzen, weil man sich zu gar keiner Tätigkeit motivieren kann, nicht mal zur Bestellung.
Oder ist die Zeit etwa ein Monster, ein postmoderner Leviathan, Instrument des bösen mit dem wir in einem ständigen Kampf stehen? Können wir so ein Monster überhaupt besiegen? Natürlich. K.I.T.T. konnte K.A.R.R. besiegen. K. sagt: "da hast du Recht".
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