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Völkisch eingenommen.

von girl
Morgens kämpft er sich verkatert von seiner auf dem Boden neben dem Volks-Hometrainer liegenden Volks-Matratze hoch, ignoriert im Bad entschlossen die Volks-Zahnbürste und schüttet sich stattdessen lieber den noch gestern Nachmittag mit dem Volks-Automaten gezauberten kalten Rest an Kaffee in den Hals.

Später wirft er noch schnell eine Volks-Waschmaschine an, zieht sich eifrig die Volks-Schuhe an und stürmt eilig an seinem Volks-Fahrrad vorbei aus der Wohnung.

Noch hofft er sich irgendwann ein Haus mit Volks-Bausparen zu erdienen. Vielleicht wird es aber auch nur das Volks-Notebook für das der Loddar so einnehmend Werbung macht. Oder ein Volks-DVD-Rekorder, oder ein Volks-LCD-Fernseher. Für irgendetwas muß doch das Ganze Volks-Zinssparen letztendlich gut sein. Noch tut es allerdings zum Glück der alte Volks-PC. Denn soviel ist noch nicht zusammengekommen.

Unter dem Bett liegt die Volks-Bibel. Noch nicht angerührt, es fehlt noch das rechte Interesse. Aber die Bestellung war im wichtig. Sowas gehört einfach in jedes Heim. Und der Einband hat ja auch so etwas Erhabenes.

Eine Volks-Karte hat er natürlich ebenso.

Er steigt in seinen Wagen, einen Toyota, der andere war zu teuer, telefoniert an der Ampel mit seinem Volks-Handy (Volks-Tarif versteht sich), spielt bedeutungsvoll am Volks-Navi, die Volks-Kamera liegt auf der Rückbank. Unterwegs hält er beim Kiosk, kauft sich eine bestimmte Zeitung. Er kauft viel bei dieser Zeitung, über diese Zeitung, aufgrund dieser Zeitung.

Eine Meinung bildet er sich nicht. Er ist glücklich, wenn dies andere für ihn tun. Sich einer bestehenden Meinung anschließen, das ist "eher sein Ding." Denn er schließt sich gerne an. Meinungen oder Kameradschaften bei sich im Ort; so weiß er immer, dass er auf der richtigen Seite ist.

Die werden schon wissen, wovon sie reden. Und wenn es sogar in der Zeitung steht, wird es schon stimmen.

Einen Volks-Empfänger hat er auch noch. Viel zu hören und große Auswahl an Sendern gibt es nicht, aber es ist ein altes Erbstück und deshalb lauscht er manchmal versonnen dem atmossphärischen Rauschen und (alp-)träumt sich in andere Zeiten.

Der Volks-Union, der Deutschen, ist er noch nicht beigetreten. Aber demnächst. Er hat es gerne, wenn alles zusammenpasst, wenn alle zusammenhalten. Uniform sind. Total. Gegen die da oben, die von draußen, die, die so stören.

Die sein Volks-Empfinden stören zum Beispiel.


Dieser Artikel ist bereits im Weblog der Autorin erschienen.
Ein Leben voller Volks-Produkte...
mindestens haltbar 09/2005
Jahrgang 01
Ausgabe 01
ISSN 1816-8159
Autor: girl
Titel: Völkisch eingenommen.
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