
Die Qual der Wahl
von Une fille du limmatquai
Heute ist ein wunderschöner Spätsommertag, vielleicht der letzte in diesem Jahr. Ich habe frei und läge jetzt gerne noch einmal am Ufer des Zürichsees. Liesse mich von der Sonne wärmen um später im See zu schwimmen, zum Floss hinaus, das auf den Wellen hin- und herschaukelt. Dort würde ich mich von der Sonne trocknen lassen, den Wolken hinterher träumen und in der Ferne die Berge bewundern, die bereits wieder schneebedeckt sind.
Stattdessen sitze ich in meiner Wohnung und schreibe einen Artikel zum Thema "wählen". Ein kluger Mann hat mir einmal erklärt, dass wir Menschen immer den Weg des geringsten Widerstandes wählen würden. Keiner von uns sei beispielsweise gezwungen, jeden Morgen aufzustehen, sich dem Alltagstrott hinzugeben. Wir alle könnten auch einfach liegen bleiben und uns den gesellschaftlichen Normen verweigern. Die allermeisten von uns täten dies aber nicht, da uns die Erfüllung ebendieser Normen noch immer als angenehmere Wahl erscheine.
Hatte der Mann wirklich recht? Sollte mich der Weg des geringsten Widerstandes nicht direkt zum See führen? Oder überwiegt in meinem Fall ganz einfach das Versprechen auf "15 seconds of fame", die mir von der Projektleiterin von "MindestensHalbtbar" für das Erstellen dieses Artikels versprochen wurden? Welche Theorie hier auch umgesetzt werden kann - ich habe immerhin eine Wahl getroffen.
Etwas, das vielen Menschen doch eher schwer zu fallen scheint. Werden wir vor die Wahl gestellt, sind wir schnell einmal überfordert. Das scheint für private wie auch politische Fragen zu gelten (hier sind wir Schweizer mit jährlich bis zu vier eidgenössischen Abstimmungen mit bis zu zwölf Vorlagen und einer durchschnittlichen Stimmbeteiligung von ca. 40 Prozent ein besonders schönes Beispiel). Nicht nur weil es uns schwer fällt, Entscheidungen zu treffen oder weil wir Angst vor Fehlentscheidungen und deren Konsequenzen haben. Wir sind heute auch nicht mehr bereit, uns Zeit für Fragen einer gewissen Komplexität zu nehmen, uns mit ihnen zu befassen und uns eine eigene Meinung zu bilden. Dafür sind wir Meister im Übernehmen fixfertig präsentierter Meinungen und Ansichten. Meinungen irgendwelcher Menschen, die uns aus irgendwelchen Gründen fähig erscheinen, für uns zu denken. Das fängt bei so Harmlosem wie Mode und Musik an, hört bei Themen wie Glauben und Religion auf und führt irgendwo dazwischen sogar noch soweit, dass ein Journalist eines Schweizer Wochenmagazins die halbe Schweiz dazu bringt, sich einige Wochen lang nur noch für eine bestimmte Schokoladensorte zu interessieren. Denn unser neues Motto lautet: "Hätte ich die Wahl, würde ich nicht wählen wollen".
Stattdessen sitze ich in meiner Wohnung und schreibe einen Artikel zum Thema "wählen". Ein kluger Mann hat mir einmal erklärt, dass wir Menschen immer den Weg des geringsten Widerstandes wählen würden. Keiner von uns sei beispielsweise gezwungen, jeden Morgen aufzustehen, sich dem Alltagstrott hinzugeben. Wir alle könnten auch einfach liegen bleiben und uns den gesellschaftlichen Normen verweigern. Die allermeisten von uns täten dies aber nicht, da uns die Erfüllung ebendieser Normen noch immer als angenehmere Wahl erscheine.
Hatte der Mann wirklich recht? Sollte mich der Weg des geringsten Widerstandes nicht direkt zum See führen? Oder überwiegt in meinem Fall ganz einfach das Versprechen auf "15 seconds of fame", die mir von der Projektleiterin von "MindestensHalbtbar" für das Erstellen dieses Artikels versprochen wurden? Welche Theorie hier auch umgesetzt werden kann - ich habe immerhin eine Wahl getroffen.
Etwas, das vielen Menschen doch eher schwer zu fallen scheint. Werden wir vor die Wahl gestellt, sind wir schnell einmal überfordert. Das scheint für private wie auch politische Fragen zu gelten (hier sind wir Schweizer mit jährlich bis zu vier eidgenössischen Abstimmungen mit bis zu zwölf Vorlagen und einer durchschnittlichen Stimmbeteiligung von ca. 40 Prozent ein besonders schönes Beispiel). Nicht nur weil es uns schwer fällt, Entscheidungen zu treffen oder weil wir Angst vor Fehlentscheidungen und deren Konsequenzen haben. Wir sind heute auch nicht mehr bereit, uns Zeit für Fragen einer gewissen Komplexität zu nehmen, uns mit ihnen zu befassen und uns eine eigene Meinung zu bilden. Dafür sind wir Meister im Übernehmen fixfertig präsentierter Meinungen und Ansichten. Meinungen irgendwelcher Menschen, die uns aus irgendwelchen Gründen fähig erscheinen, für uns zu denken. Das fängt bei so Harmlosem wie Mode und Musik an, hört bei Themen wie Glauben und Religion auf und führt irgendwo dazwischen sogar noch soweit, dass ein Journalist eines Schweizer Wochenmagazins die halbe Schweiz dazu bringt, sich einige Wochen lang nur noch für eine bestimmte Schokoladensorte zu interessieren. Denn unser neues Motto lautet: "Hätte ich die Wahl, würde ich nicht wählen wollen".
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