
Verwählen bis zum Untergang
In der Menschheitsgeschichte ist das Phänomen des Verwählens zwar kein neues, jedoch erfuhr es im Zeitalter der Kommunikation einen rasanten Aufschwung und entfaltet derzeit eine Blüteperiode, um zeitgleich mit dem Untergang der Welt seinen Höhepunkt erreichen. Doch dazu später. Beginnen wir konventionell, also am Anfang.
Am Anfang war das Wort. Knapp nach dem Wort folgte die Zeit, in der Adam und Eva durch das Paradies lustzuwandeln pflegten. Und hier geschah der Fehler, der uns auf Dauer zum Verhängnis werden sollte. Denn die unheilvolle Kombination von Frau, Schlange und Wort führte dazu, daß es zu einem Verwählen im Bereich der Pomologie kam, was Gott verständlicherweise in die Zwangslage versetzte, uns den Zugang zum Paradies dauerhaft verwehren zu müssen. Damit nicht genug, wählten die Nachfahren des ersten Liebespaares der Weltgeschichte stets den Weg des Sündenpfuhls, sodaß Gott noch mehr zürnte und uns die Sintflut schickte, womit er vorerst einmal die Zahl der Lebewesen auf ein erträgliches Maß zurechtstutzte, nämlich auf zwei pro Gattung.
Soweit zur ersten Phase der Evolution und ihrem beinahe jähem Ende. Die Geschichte der Menschheit blieb dennoch die Geschichte des Verwählens, die unmittelbar zu der Frage führt, ob wir trotz oder wegen des ständigen Verwählens dort angekommen sind, wo wir heute stehen.
Blenden wir zurück in die Steinzeit. Herr N. macht sich auf die Suche nach Nahrungsmitteln, erblickt auf einer Lichtung einen Hasen und einen Bären, überlegt und wählt - weil ihn Bärenhunger quält und ihm demzufolge dünkt, ein Hase mache nicht satt - den Bären. Herr N. läßt seine Keule auf des Bären Haupt herniederrasseln, was jenen jedoch wenig kümmert, denn der frißt seinerseits Herrn N. Herr H., der Jagdgefährte des Herrn N., erstarrt vor Schreck, erkennt die falsche Wahl Herrn N.'s und lernt. Das Geschehen läßt auch den Bären seine Schlüsse ziehen, und so kommt es, daß beide einen evolutionären Schritt vorangehen.
Es würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen, einen chronologischen Abriß sämtlicher Verwählungen und ihrer Auswirkungen auf den Lauf der Welt darzustellen. Jeder Autofahrer, der auf der Autobahn die richtige Abfahrt nicht gewählt hat, weiß um das darwinistisch-evolutionäre Potential seiner Entscheidungsschwäche, speziell dann, wenn er seine Verwahl durch eine weitere Verwahl wettzumachen sucht, indem er die Autobahn zwecks Wahrung der Chance auf eine zweite - diesmal richtige - Wahl in der falschen Richtung befährt.
Hier schließt sich zwar kein Bogen, doch scheint an dieser Stelle der richtige Zeitpunkt gekommen, um den vorhin angesprochenen Weltuntergang zu prognostizieren. Dieser wird durch ein Telefonat ausgelöst, welches der Präsident der Vereinigten Staaten mit seiner Frau zu führen trachtet, wobei er sich einer der beiden Wahlmöglichkeiten bedient, die das vor ihm stehende rote Telefon zu bieten hat. Natürlich ist selbst der Präsident als solcher nicht davor gefeit, sich zu verwählen, was dieser im Zustand höchster Erregung jedoch nicht bemerkt, sodaß er seinem Gesprächspartner die Worte "Es ist aus! Vorbei! Ich mach mit dir hier und jetzt Schluß!" entgegenschmettert. Der irrtümlich angesprochene Präsident der Staaten-Föderation trifft sodann die seiner Meinung nach einzige richtige Wahl und löst klischeehaft einen Atomkrieg aus, der natürlich erwidert wird und in einer Teilnahme weiterer Staaten mündet, sodaß die Erde binnen kurzer Zeit in Schutt und Asche liegt.
Womit die zweite Phase der Evolution abgeschlossen wäre ...




perdi
am 17. Sep, 08:14